Magdeburg l Die fünfköpfige Schlägerbande, die in der Vorwoche nach einem Raubzug gefasst werden konnte, zählt zu den krassen Beispielen. Zu fünft hatten sie am 4. Februar ihren Opfern am Kölner sowie Uniplatz aufgelauert, sie unter anderem mit einer Flasche geschlagen und ausgeraubt (Volksstimme berichtete).

Der 22-jährige Anführer sitzt in Untersuchungshaft, der jüngste Mittäter, ein 15-Jähriger, in einer geschlossenen Abteilung einer Jugendeinrichtung. Beide sind einschlägig vorbestraft bzw. polizeibekannt. Ihnen, auch den drei mutmaßlichen 18-jährigen Beteiligten, konnten die Ermittler auf die Schliche kommen.

Andere Täter, die das sogenannte "Handyziehen" (Handyraub) praktizieren, laufen noch frei herum. An diesem 4. Februar war noch ein anderer junger Mann am helllichten Tag überfallen worden. Drei Unbekannte hatten ihn in der Salzmannstraße hinterrücks angegriffen, zu Boden gedrückt und ihm unter anderem das Smartphone gestohlen. Er blieb unverletzt, aber mit diffusen Ängsten zurück.

Ein weiterer Fall ereignete sich zu Beginn dieser Woche. Ein bislang Unbekannter hat dabei eine 23-Jährige in der Otto-von-Guericke-Straße bis in den Hausflur verfolgt und ihr das Handy entrissen. Die Frau erhielt einen Faustschlag ins Gesicht, musste wegen einer Verletzung am Auge ärztlich versorgt werden. Der Täter konnte unerkannt flüchten.

In Zahlen lässt sich zwar keine Zunahme an solchen Handyraub-Straftaten feststellen, "das Thema beschäftigt uns aber permanent", räumt Polizeisprecherin Beatrix Mertens ein. In den ersten fünf Wochen 2013 waren 14 derartige Überfälle angezeigt worden, in diesem Jahr sind es bisher auch rund ein Dutzend. Wobei die Täter längst nicht immer aus einer größeren Gruppe heraus agieren - so wie bei der gefassten Bande. "Oft sind es Einzeltäter oder zwei bis drei Angreifer." Und meist sind sie im Alter von 14 bis 30 Jahren, so Mertens.

Auch die Vorgehensweise sei unterschiedlich. Manchmal wird scheinbar harmlos nach der Uhrzeit gefragt, und wenn das arglose Opfer das Smartphone aus der Tasche holt, wird ihm selbiges entrissen. Häufig werden die Täter aber auch gewalttätig. Sie werfen ihre Opfer zu Boden, drohen mit einem Messer oder schlagen - wie im Fall der Fünfergruppe - kaltblütig zu. Weil die Taten oft am helllichten Tag passieren, muss es schnell gehen. Da sind die Angreifer nicht zimperlich.

Juristisch laufen diese Straftaten deshalb unter Raub oder räuberischer Erpressung, weil die Täter Gewalt androhen oder tatsächlich ausüben, um an die Handys oder teuren Smartphones zu kommen. Aus Fällen, die vor Gericht landen, weiß man, wo die Täter zu suchen sind. "Häufig handelt es sich um Drogenabhängige", erklärt Amtsgerichtssprecher Frank Gärtner. Die Täter handelten meist aus Geldnot und versuchten deshalb, die erbeuteten Geräte zu verkaufen.

In einigen Fällen gelingt es, so wie letzte Woche bei der fünfköpfigen Räuberbande, die Angreifer zu fassen. Vor Gericht erwartet junge Täter ein unterschiedliches Strafmaß, je nachdem "welche erzieherische Maßnahme geeignet" erscheine, so Gärtner. Das reiche von der Verurteilung zu Arbeitsstunden über einen Arrest bis hin zur Jugendstrafe. Die Strafe für Erwachsene beträgt bei Raub oder räuberischer Erpressung mindestens ein Jahr bis zu max. 15 Jahren Freiheitsstrafe. Die Jugendstrafe für eine solche Tat beträgt höchstens 5 Jahre, für Heranwachsende 10 Jahre.