Neustadt l Für die meisten Menschen ist Sicherheit und Sauberkeit wichtiger als Gestaltung. Das ist das Ergebnis der Masterarbeit einer Studentin zum Bahnhof Neustadt. Der Backsteinbau soll inzwischen auch einen neuen Besitzer haben.

Mehr als 300 Fragebögen hat Lilli Ens ausgewertet. Die 29-jährige Studentin hat für ihre Masterarbeit (Studiengang: Cultural Engineering) untersucht, wie der Bahnhof Neustadt besser, schöner, attraktiver werden könnte. Die Ergebnisse hat sie nun bei der GWA Neue Neustadt vorgestellt. Demnach sind für den Großteil der Befragten Sicherheit und Sauberkeit wichtiger als Gestaltung. Wie am Rande der GWA-Sitzung am Donnerstag bekannt wurde, hat der alte Klinkerbau einen neuen Besitzer. Eine Privatperson soll das Gebäude gekauft haben. Mit ihm will sich Ens nun auch in Verbindung setzen, ihre Ergebnisse vorstellen.

"Mir persönlich sind gestalterische Aspekte wichtiger. Insofern hat mich das Ergebnis schon ein wenig überrascht", sagt Lilli Ens. Die Befragung dauerte drei Wochen, mehr als 300 Personen haben sich beteiligt. Davon waren 53 Prozent Männer und 47 Prozent Frauen. Wobei 206 Personen jünger als 35 Jahre alt waren. Studentin Ens führt das auf die höhere Internetaffinität jüngerer Menschen zurück. Da 60 Vor-Ort-Befragungen durchgeführt wurden, macht der Internet-Datensatz den Löwenanteil der Arbeit aus.

Lilli Ens hat die Kriterien in "Funktionsaspekt" und "Kultur-aspekt" unterteilt. 278 Befragte gaben an, dass ihnen Sicherheit und Sauberkeit wichtig seien. 270 nannten die Bahnhofsausstattung. Nur 153 Personen gaben an, dass ihnen Erlebnis wichtig sei. 266 Männer und Frauen legen jedoch Wert auf die Gestaltung. Für die Befragten war es möglich, mehrere Antworten zu geben. Jemand, der Sauberkeit als wichtig empfindet, konnte gleichzeitig aber auch Erlebnis ankreuzen.

Bei Sauberkeit/Sicherheit waren den Befragten Toiletten (192) besonders wichtig. Gefolgt von Beleuchtung (162) und Mülleimern (108). Zum Thema Gestaltung wünschten sich die meisten Befragten Farb- und Kunstaspekte (184), dicht gefolgt von Bepflanzungen (149).

Für Lilli Ens ergeben sich aus ihrer Umfrage mehrere Ansätze. Fest steht jedoch: Bevor der Bahnhof gestaltet werden kann, muss für Sauberkeit und Sicherheit gesorgt werden. "Einige Befragte haben sogar angegeben, dass sie den Bahnhof aus Angst meiden", sagt Ens. Nun müsse man sich mit den Entscheidern an einen Tisch setzen. Das wären die Deutsche Bahn, der neue Besitzer, die Stadt Magdeburg und der Inhaber der Bahnhofskneipe. Es müsse darüber diskutiert werden, wie man die Sauberkeit gewährleisten kann und ob es beispielsweise möglich ist, die Kneipentoiletten zu nutzen. In einem zweiten Schritt kann über kleine Gestaltungsideen nachgedacht werden. Ens bringt eine Kunstgalerie oder die Aufstellung von Kunstautomaten ins Spiel. "Bahnhöfe sind die Aushängeschilder einer Stadt", sagt sie. Die Studentin, die aus der Nähe von Würzburg kommt, aber in Magdeburg bleiben möchte, wartet noch auf die Note ihrer Arbeit. Die bekommt sie nächste Woche.