Magdeburg l Um den Bedarf zu decken, braucht Magdeburg in absehbarer Zeit drei bis vier neue Kindertagesstätten (siehe Infokasten). Derzeit kursiert im Rathaus eine Liste mit zehn Standort-Vorschlägen. Bis zum Sommer will Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) vier Vorschläge in den Stadtrat zur Abstimmung geben. Nach Informationen der Volksstimme sollen alle vier Standorte in der Innenstadt liegen.

Gemeinsam mit Getec-Gesellschafter Karl Gerhold und Johanniter-Regionalvorstand Martina von Witten eröffnete Trümper am gestrigen Montag die Getec-Kindertagesstätte auf dem Gelände an der Steinkuhle. Mehr als 80 Kinder sollen dort auf der 5500 Quadratmeter großen Fläche Platz finden. Heute sollen die ersten Kinder in den zwei Millionen Euro teuren Bau einziehen. Von den 80 Plätzen sollen ungefähr 30 für Getec-Mitarbeiter sein. "Es gibt noch freie Plätze, die ab Mai über das Portal der Landeshauptstadt zur Verfügung stehen", sagte Getec-Sprecherin Anita Fricke der Volksstimme.

Eine Immobiliengesellschaft der Getec-Gruppe (in Magdeburg: 450 Mitarbeiter) ist der Investor und hat das Grundstück am Bereich der Steinkuhle zur Verfügung gestellt. Früher befand sich auf dem Kita-Gelände eine Kleingartenanlage. Magdeburg unterstützt die neue Einrichtung mit einem Zuschuss für Unterhalt und Betrieb. Die Leitung der Kita sowie die Betreuung der Jungen und Mädchen übernimmt die Johanniter-Unfall-Hilfe.

Das neue Gelände ist modern. So besitzt der Flachbau eine Sonnenschutzverglasung, eine sichtbare Holzbalkenkonstruktion und begrünte Dächer. Zwei große Terrassen und eine Cafeteria sollen als Treffpunkt für Eltern, Kinder und Erzieher dienen. Große Gruppenräume sollen zudem ausreichend Platz zum Spielen bieten. Für die kleinen Gruppen gibt es außerdem zwei separate Schlafräume.

Die Einrichtung ist - sieht man von der MWG-Kita im Nordpark ab - die erste Betriebskita der Landeshauptstadt. Das Firmengelände befindet sich in Sichtweite. Kita-Chefin Ines Knoll betont auch die inhaltliche Nähe ihres Hauses zur Getec. So bekommen die Kinder unter anderem ein Windrad und eine kleine Solarfläche in ihren Garten gestellt. "Der Umgang mit Energie wird auch im Kita-Alltag eine Rolle spielen", sagt Knoll.

"Wir haben als Stadt die Aufgabe, ausreichend Kita- und Schulplätze zur Verfügung zu stellen", sagte OB Trümper zur Eröffnung. Dass es so viele Kinder gibt, sei ein positives Zeichen. "Nur wenige hätten diesen Anstieg nach den geburtenschwachen Jahrgängen für möglich gehalten", so Trümper. Nun müsse dieser Entwicklung mit der Entscheidung für neue Standorte Rechnung getragen werden.

Die Beseitigung der Platznot in Magdeburger Kitas hatte OB Trümper zur Chefsache erklärt. So hatten nach unter einjähriger Bau- und Einrichtungszeit (April bis Januar 2014, rund acht Millionen Euro Gesamtkosten) drei neue Kitas eröffnet. Zuletzt die Kita "Moosmutzel". Mit den drei Einrichtungen waren in Magdeburg 470 neue Plätze entstanden.

Deutliche Kritik übte der Oberbürgermeister am Rande der Veranstaltung an Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) und dessen Plänen, die geisteswissenschaftliche Fakultät in Magdeburg zu schließen. "Das ist völliger Unfug", sagte Trümper. Würden die Pläne umgesetzt, würde Magdeburg 3500 Studierende verlieren. "Das wäre katastrophal", so Trümper weiter. Gegenüber der Volksstimme kündigte er an, sich mit dem Rektor der Otto-von-Guericke-Universität, Jens Strackeljan, in Verbindung setzen zu wollen, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Einen Namen hat die neue Kita noch nicht. Er soll durch einen Wettbewerb gefunden werden, an dem die Kita-Kinder und ihre Eltern teilnehmen können.

 

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