Magdeburg l Die Kamera fliegt über die Dächer, mittelalterliche Musik treibt sie an, Pferdegetrappel ist auf dem Kopfsteinpflaster zu hören. Auf der Elbe segelt ein Boot an der Stadtmauer und den mittelalterlichen Wehranlagen vorbei, über allem thront der Dom. Mit Hilfe modernster Computertechnik entführt der 69-jährige Bernd Werner seine Zuschauer in eine untergegangene Stadt. Denn das Magdeburg, das er zeigt, wurde 1631 durch Tillys Truppen dem Erdboden gleichgemacht.

Vor fünf Jahren lernte er Helmut Menzel kennen und seitdem sind die beiden zu einer "genetischen Einheit" verschmolzen, wie sie sagen. Werner ist "Hammer und Zange" zu Menzels schier unendlichem Wissen über das alte Magdeburg. Sie ergänzen sich perfekt. "Er will es umsetzen, weiß aber nicht, wie es damals aussah. Ich kann nicht mit der Technik umgehen", sagt Menzel, der bis 1998 Denkmalpfleger in Magdeburg war.

Die Leidenschaft fürs Historische hat auch Bernd Werner schon lange, das technische Wissen eignete er sich erst im fortgeschrittenen Alter an. Im Vorruhestand dachte er sich: "Das kann es nicht gewesen sein." Er nahm an einem Grafiklehrgang teil und machte sich schließlich selbstständig.

Als ehrenamtlicher Denkmalpfleger wurde er angefragt, ein neolithisches Langhaus zu rekonstruieren. "Ich war unwissend, was auf mich zukommt", sagt er heute. Und doch war es diese Herausforderung, die dazu führte, dass heute eine Stadt wieder aufersteht.

Teilweise 12 Stunden am Stück klickt er sich durch die Grafikprogramme, oft in Telefonkonferenz mit Menzel, der via Skype live am Bildschirm verfolgt, was der Grafiker macht. "Das ist verrückt, wir wollen immer mehr ins Detail gehen", sagt Werner. Hier noch eine Türangel, dort eine andere Fensterlaibung. Einige Male hat er seinen Rechner - mit 24 Gigabit Arbeitsspeicher wahrlich kein Leichtgewicht - beim Berechnen der Szenen in die Knie gezwungen, erzählt Werner mit einem kleinen Anflug von Stolz. Warum aber gerade diese Zeit? "Magdeburg war damals eine der größten Städte Europas. Durch die Zerstörung wurde sie um Jahrhunderte zurückgeworfen", erklärt Bernd Werner.

Rüdiger Stefanek von der IG Festungsanlagen im Kultur- und Heimatverein Magdeburg ist vom Ergebnis begeistert. Als Mitorganisator der 6. Magdeburger Festungstage verspricht er sich von der Premiere des Films in der Festung Mark viel. "Das ist eine Qualität, die uns von den Socken haut", sagt er.

Mit der Premiere am 3. und 4. Mai ist die rein hobbymäßig betriebene Arbeit der beiden aber noch lange nicht abgeschlossen. "Es kommen immer neue Ecken dazu", sagt Werner. Sie sind aber noch ambitionierter. Mit Hilfe der im "Gröninger Bad" vorhandenen "Green-Screen-Technik" wollen sie Helmut Menzel im Kostüm filmen und anschließend in den Film kopieren. Denn Festungsfreunde wissen sofort, was sie sehen, Laien erkennen aber nicht, dass es sich um die Bastion Gebhardt handelt. Menzel fungiert folglich als historischer Stadtführer. Für den Moment ist das aber noch Zukunftsmusik für den Vergangenheitsfilm.

 

Bilder