Wer pflegt eigentlich Magdeburgs Sportplätze?

Das Bundesprogramm "Bürgerarbeit" läuft nach drei Jahren bis Ende 2014 sukzessive aus. Nach Angaben der AQB waren stadtweit in verschiedensten Projekten insgesamt 372 Arbeitnehmer über dieses Programm beschäftigt. Für 45 Sportvereine sowie 8 kommunale Sportstätten waren insgesamt 118 Bürgerarbeiter eingesetzt worden, die nun nach und nach ihren Dienst quittieren müssen.

Bis auf die sogenannten Kernsportstätten wie Germer-Stadion, Tonschacht, Seilerwiesen, Leichtathletikzentrum oder Sportplatz Beyendorf, für welche die Stadt insgesamt sechs Platzwarte beschäftigt, sind die meisten Sportplätze an die jeweiligen Sportvereine, die Hauptnutzer sind, über Nutzungsverträge vermietet. Laut Förderrichtlinie der Stadt sind die Vereine zur "Pflege, Unterhaltung und Bewirtschaftung der Vereinssportstätten" verpflichtet. Sie müssen auch den Schulsport gewährleisten. Die Vereine werden "von der Stadt im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel durch Gewährung von jährlichen Zuwendungen unterstützt", heißt es weiter.

Die Vereine dürfen laut Richtlinie auch sämtliche Einnahmen, zum Beispiel aus Betrieb oder Verpachtung von Vereinsgaststätten, behalten.

In der Praxis wurden die Vereine auch schon vor der Bürgerarbeit mit ABM-Stellen oder Ein-Euro-Jobs bei der Bewirtschaftung ihrer Sportplätze unterstützt.

Altstadt l Am Mittwoch hatte der SV Arminia auf seiner Internetseite angekündigt, den Jahnsportplatz ab 9. Juni "bis auf Weiteres" zu schließen. Grund für die unkoventionelle Maßnahme: Am 31. Mai endeten die vier Bürgerarbeitsstellen des Vereins. Die Betreuung der Anlage für den Schul-, Vereins- und Breitensport (wochentags 7 bis 21 Uhr plus Spielbetrieb an Wochenenden) sei personell auf ehrenamtlicher Basis nicht zu bewältigen.

Noch für Mittwochabend beraumte der Fachbereich Schule und Sport der Stadt auf die Schnelle ein Krisentreffen an. Mit am Tisch neben dem SV Arminia auch die städtische Gesellschaft für Ausbildung und Qualifizierung (AQB), die in Magdeburg die Bürgerarbeiter und Ein-Euro-Jobber mit Förderung des Jobcenters beschäftigt. Ergebnis: Die Stadt zieht einen derzeit noch über Bürgerarbeit eingestellten Mitarbeiter vom Post SV ab.

Dieser soll nach Pfingsten zunächst für Hegel- und Domgymnasium, Grundschule Hegelstraße und Leibniz-Sekundarschule die Schulsportzeiten auf dem Jahnsportplatz sicherstellen.

Pacht oder Schlüsselmiete

Der Beigeordnete der Stadt für Schule und Sport, Rüdiger Koch, stellte gestern gegenüber der Volksstimme klar: "Der Schulsport wird selbstverständlich stattfinden."

Arminia-Präsident Holger Brandes erklärte auf Anfrage: "Es gibt aus unserer Sicht keine endgültige Lösung. Wir werden versuchen, den Trainings- und Spielbetrieb zumindest bis zum Saisonabschluss auf ehrenamtlicher Basis zu organisieren. In welcher Form genau, sei noch völlig offen. Nach Vereinsangaben nutzen neben den eigenen Teams und den Schulen an den Wochentagen jeweils auch bis zu 50 Besucher die Sportanlagen an der Erich-Weinert-Straße, darunter zahlreiche Kinder- und Jugendliche aus dem Stadtteil.

Die Bürgerarbeiter hatten auf dem Jahnsportplatz auch Reinigungs- und Grünpflegearbeiten sowie Kleinstreparaturen übernommen. Außerdem betreuten sie zahlreiche Schul- und Sportfeste. Hoffnung machen den Arminen die Ankündigungen von Stadt und AQB, ab 23. Juni anstelle der Bürgerarbeit neue Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs) auch für Sportvereine zu schaffen. Offen ist derzeit, inwieweit Ein-Euro-Jobber die Bürgerarbeit ersetzen können, da die Förderrichtlinien weniger Spielraum eröffnen.

Unabhängig davon stellt die Stadt nach Angaben des Sportbeigeordneten Rüdiger Koch aktuell knapp 230 000 Euro Personalkosten für die Betreuung von Vereinssportanlagen zur Verfügung. So werde auch für den SV Arminia eine Pauschalkraft auf 400-Euro-Basis von der Kommune finanziert. Insgesamt würden dadurch derzeit elf Pauschalstellen in Sportvereinen ermöglicht.

Für Unterhaltung und Bewirtschaftung der Sportanlagen erhalten die Vereine weitere Zuschüsse. Im Falle von Arminia zahlt die Stadt nach eigenen Angaben in diesem Jahr 22 650 Euro. "Für unsere Kernsportstätten beschäftigen wir sechs Platzwarte, die jedoch auch für Hallen und im Sommer für Strandbäder eingesetzt werden. Die nutzenden Vereine müssen sich also ebenso in hohem Maße ehrenamtlich engagieren", machte Koch deutlich. Die Kernsportstätten wie Germer-Stadion, Tonschacht oder Leichtathletikzentrum werden über Schlüsselmieten vergeben.

Problem nur aufgeschoben

Dieses Modell sei künftig auch für den Jahnsportplatz möglich. Dafür müsste Arminia aus dem Pachtvertrag aussteigen. "Mein Wunsch ist aber, dass Arminia die Anlage selbst weiter betreiben kann", so Koch.

Der Beigeordnete wies unterdessen Kritik an der Sportförderung der Stadt zurück. Sein Standpunkt: "Wir haben seit vielen Jahren eine beispielhafte Sportförderung in Magdeburg, das Ehrenamt hat dabei einen hohen Stellenwert." Für den Wegfall der Bundesmittel für die Bürgerarbeit "können wir als Stadt nichts", so Koch. Die Kommune könne selbst keine entsprechenden Stellen als Ersatz schaffen.

Und auch die Ein-Euro-Jobs verschaffen allenfalls Linderung. Koch: "Sie laufen Anfang 2015 schon wieder aus. Wir werden uns in den nächsten Monaten mit den Vereinen zusammensetzen und beraten, wie es dann weitergeht."