Geöffnet sind die Gruson-Gewächshäuser dienstags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr außer am 24. und 31. Dezember. Eintritt: 3,50 Euro, ermäßigt 2 Euro. Gezeigt werden mehr als 3000 Planzenarten und -sorten.

Magdeburg l Wer derzeit durch das Große Tropenhaus der Gruson-Gewächshäuser in der Schönebecker Straße 129b im Magdeburger Stadtteil Buckau schlendert, bekommt Unerwartetes zu sehen. Statt üppig grünender Bäume und überschwänglicher Blüten gibt es auf 135 der insgesamt 350 Quadratmeter derzeit einen kleinen Bagger, Schaufeln und Baugerät zu sehen. Und mitten im Beet steht: Yves Nowakowski. Er ist ein Mitarbeiter des Unternehmens Haltern und Kaufmann, welches mit dem Austausch des Substrats begonnen hat.

Yves Nowakowski sagt: "Das ist schon eine schweißtreibende Angelegenheit, vor allem, weil hier kein Windzug geht." Bis auf 60 Zentimeter müssen er und seine Kollegen den Untergrund auskoffern. "Und dann tragen wir 45 Zentimeter neues Substrat und dann noch einmal eine Deckschicht von 15 Zentimetern auf."

Gewächshaus-Leiter Dr. Ludwig Martins hat das Baugeschehen genau im Blick und sagt: "Vor fast 15 Jahren wurde hier der Boden das letzte Mal erneuert. Damals wurde guter Bördeboden eingearbeitet." Das war gut gemeint - ist den Pflanzen aber nicht besonders gut bekommen. Und der Lehm hat zudem mit einer schmierig-braunen Schicht auch optisch nicht sonderlich viel hergegeben.

"Ich gehe davon aus, dass wir mit dem neuen Substrat für mindestens drei Jahrzehnte den Boden nicht mehr tauschen müssen."

Jetzt gibt es in der unteren Schicht ein rein mineralisches, nährstoffarmes Gemisch, in dem zum Beispiel Kies und Ton enthalten sind. Die Oberschicht enthält zudem auch einen kleinen Anteil an Humus, um den Mikroorganismen eine Heimat zu bieten. "Die Nutzung solcher Mischungen ist eine relativ neue Entwicklung in den botanischen Gärten nicht nur in Deutschland", berichtet Ludwig Martins.

Die Hoffnung ist zum einen, dass die Pflanzen hier besser gedeihen. Der Gewächshauschef nennt den zweiten Grund: "Ich gehe davon aus, dass wir mit dem neuen Substrat für mindestens drei Jahrzehnte den Boden nicht mehr tauschen müssen." Einzig die Düngung wird angesichts dessen, dass der neue Boden nur wenig Nährstoffe im Gegensatz zum Bördeboden enthält, von Anfang an genau dosiert geschehen müssen.

Die Aufarbeitung des Bodens bietet derweil auch die Gelegenheit zum Aufräumen: Kleines und Großes Tropenhaus werden künftig genau nach der Herkunft der Arten getrennt: Im Kleinen Tropenhaus eine Tür weiter findet die Flora der Neuen Welt eine Heimat, in dem jetzt als Baustelle erkennbaren Großen Tropenhaus findet die Alte Welt - sprich Afrika und Asien - ihr Domizil. "Bislang war das ein bisschen gemischt", berichtet Ludwig Martins.

Was sich zum Umpflanzen lohnte, gedeiht für die kommenden vier bis sechs Wochen an anderen Stellen der Einrichtung. Beispiele sind der Mangobaum. Und auch die Bananenstaude. "Zwar gibt es im Floristikhandel auch Bananen - wir hängen hier an unserer Sorte Obstbananen und wollen keine Zierpflanze." Andere Pflanzen werden in den nichtöffentlichen Anzuchthäusern eigens herangezogen. Und die dritte Gruppe von Bewohnern des frisch hergerichteten Großen Tropenhauses kommt aus anderen botanischen Gärten. "Wir pflegen einen regen Austausch nicht nur an Ideen, sondern auch an Pflanzen", gibt der Gewächshaus-Chef zu Protokoll.

Im Großen Tropenhaus wird es übrigens in Zukunft neben einem Bereich für den Regenwald auch eine Savannen-Ecke geben. Das hat ganz praktische Gründe: Wo das Dach niedrig ist, lassen sich kaum hochaufwachsende Gehölze ziehen.

"Insbesondere am Anfang wird irritieren, wenn Blätter herumliegen und es nicht aussieht wie im gut gepflegten Kleingarten."

An eines werden sich die Besucher wohl erst gewöhnen müssen: Künftig soll der Tropenwald wie ein echter Wald funktionieren. Sprich: Wenn ein Blatt vom Baum fällt, dann bleibt es auch liegen. "Insbesondere am Anfang wird das ein wenig irritieren, wenn einzelne Blätter herumliegen und es nicht mehr aussieht wie in einem gut gepflegten Kleingarten", sagt Ludwig Martins. Das Ziel einer naturnahen Umgebung aber sollte spätestens dann erkennbar sein, wenn sich im Tropenhaus mit seiner Gesamtfläche von 350 Quadratmetern eine echte Laubschicht gebildet hat.

Dass Bauarbeiten im Gewächshaus zum Bild gehören, ist indes kein Geheimnis. Ludwig Martins: "Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise das Kleine Tropenhaus zu großen Teilen auch mit einem neuen Substrat versehen, ebenso schon zwei Ecken im Großen Tropenhaus." Für das aktuelle Bodentauschprogramm sind etwa 50 000 Euro in den Haushalt eingestellt.

Mehr zu den Gewächshäusern und zum Förderverein unter www.gruson-gewaechshaeuser.de im Internet.

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