Magdeburg l Wird der Entwurf umgesetzt, dann erlebt Magdeburg eine Revolution im Schulbereich. Die Landeshauptstadt steht kurz davor, das Pilotprojekt zur Schulbezirksöffnung aus Stadtfeld auf die gesamte Stadt auszudehnen. Im Bildungsausschuss präsentierte der Beigeordnete Rüdiger Koch erstmals einen Entwurf. Er war im Mai vom Stadtrat dazu beauftragt worden.

In einem Antrag hieß es, dass eine Ausdehnung des Stadtfelder Modellprojekts einen vernünftigen Kompromiss zwischen der Erweiterung von Wahlmöglichkeiten für Kinder und Eltern einerseits und dem Bemühen um möglichst kurze Schulwege im Grundschulbereich andererseits darstelle. Der nun erarbeitete Entwurf sei laut Koch eine erste Diskussionsgrundlage. Bevor diese jedoch in den Stadtrat gehe, soll beim nächsten Bildungsausschuss noch einmal darüber diskutiert werden. Die Volksstimme hat die tabellarische Aufstellung in einer Grafik (rechts) zusammengefasst.

Ausgangspunkt für die aktuelle Diskussion war der Beginn des Schuljahres 2013/2014. Damals wurde in Stadtfeld ein Pilotprojekt zur Öffnung der Schulbezirke gestartet. Eltern von Einschülern, die im Testbereich wohnen, können seitdem frei wählen, in welche der bislang fünf Grundschulen dort (siehe Grafik, "Stormstraße" und "Westernplan" fusionieren zu Beginn des kommenden Schuljahres) ihr Kind gehen soll. Ergebnis aus dem ersten Jahr: 168 von 291 Kindern (58 Prozent) wollten die Schule ihres alten Schulbezirks besuchen. 90 Kinder (also 30 Prozent) wurden in einer der anderen Schulen des Modellgebietes angemeldet.

Wie Beigeordneter Koch der Volksstimme bestätigte, seien die neuen Schulbezirke nur die erste Phase. Denn in der Verwaltung gibt es auch das Gedankenspiel, in Magdeburg die Schulbezirke irgendwann komplett aufzulösen. Dadurch würde Wahlfreiheit für alle Einrichtungen bestehen.

Laut Koch sieht der Zeitplan für die weitere Diskussion nun so aus: Beim nächsten Bildungsausschuss Mitte September sollen Änderungen in den Vorschlag der Verwaltung eingearbeitet werden. Können sich die Mitglieder einigen, soll dann eine Drucksache zur Abstimmung in den Stadtrat gehen. "Bis Ende des Jahres brauchen wir eine Entscheidung", so Koch zur Volksstimme auf Nachfrage. Der Beigeordnete galt am Anfang als einer der Skeptiker des Stadtfelder Modells. "Unsere Befürchtungen haben sich allerdings nicht bestätigt", sagte er. Jedes Kind im Stadtfelder Modell habe auch auf die gewünschte Schule gehen können.

Ein Umdenken bei den Schulbezirken findet auch aufgrund sich ändernder Rahmenbedingungen statt. So werden etwa laut Mittelfristigem Schulentwicklungsplan die Schülerzahlen an den Grundschulen ab 2014/2015 um ungefähr 1500 zunehmen. So kommt es zu der Situation, dass einzelne Standorte an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, während andere Schüler verlieren. Mit den neuen Schulbezirken soll hier eine Ausgleichsmöglichkeit geschaffen werden.