Magdeburg l Weil es auf dem Werder so schön grün ist, sind die Magdeburger Christian Bierschenk und Nicole Huss vor vier Jahren auf die Elbinsel gezogen. "Dass damit jetzt Schluss sein soll, ist traurig", sagt das Paar. Grund dafür sind die Pläne der Stadt zum Hochwasserschutz. Diese sehen entlang der Zollstraße eine 1,30 Meter hohe Mauer vor - an sich nicht problematisch. Doch trotz geplanten Schutzes würden die Bäume durch die Bauarbeiten so stark beschädigt werden, dass sie absterben würden, heißt es aus dem Baudezernat. Deshalb sollen 90 Linden schon vor dem Baubeginn fallen und später durch 70 neue ersetzt werden.

Aus Sicht der Verwaltung bringt das Vorteile mit sich: Die Arbeiten werden voraussichtlich nur 12 anstelle von 14 Monaten dauern. Und Hochwasserschutzbauten, Gehweg und die neue Baumreihe können in einem Guss entstehen.

In einer Informationsveranstaltung am 15. Juli erfuhren schließlich die Bürger von den Vorhaben der Stadt. Christian Bierschenk bezeichnet die Fällungen als Unding. "Deshalb haben wir vergangenen Freitag im Internet die Petition gestartet", erzählt der 35-Jährige. Er hoffe auf 5000 Stimmen gegen die Fällungen. Eine Zahl, die er sich selbst gesetzt hat, um Oberbürgermeister Lutz Trümper zum Nachdenken zu bewegen. Am Donnerstagnachmittag waren 940 Stimmen gesammelt. Doch selbst 10000 Stimmen könnten keine Entscheidung erzwingen. Denn rechtlich gesehen ist eine Petition nichts weiter als eine Meinungsbekundung.

Unabhängig von dieser kann die Stadt entscheiden und hat es in diesem Fall auch bereits. "Zu Beginn der Planung wurde der Erhalt der Linden angestrebt", sagt der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann. Im Laufe der Ausarbeitung wurde jedoch deutlich, dass die Bäume im Zuge der Bauarbeiten absterben würden. "Der vollständige Ersatz der Baumreihe ist in Anbetracht der bestehenden Randbedingungen die einzige technisch, wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Lösung", sagt Scheidemann.

Zu den Randbedingungen zählt neben den Bauschäden der Zustand der Linden. "Die Bäume sind nicht krank, weisen aber zum Teil erhebliche mechanische Schäden wie Anfahrschäden oder Spannungsrisse am Stamm auf", sagt Scheidemann. Davon sind die jungen Bäume im Süden der Zollstraße und die älteren Bäume im Norden betroffen.

Darüber hinaus werden durch das Einrammen der Spundwand elbseitig die Wurzeln von den Bäumen abgetrennt. Die übrigen werden durch die neue Versiegelung der Steilböschung im Nordabschnitt von Luft und Wasser abgeschnitten. Das beeinträchtige die Nährstoffversorgung der Linden und deren Standsicherheit, so Scheidemann. Der Radikalschnitt an den Kronen für die nötige Baufreiheit tut sein Übriges.

"Ohne die Linden wäre das Stadtbild ein Stück grauer."

Christian Bierschenk, Initiator der Petition gegen die Linden-Fällungen

Als "Ersatz" für die gefällten Kleinblättrigen Linden sieht der Bauplan 70 Kaiser-Linden vor. "Dadurch wird das Landschaftsbild und die nach § 21 Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt geschützte Baumreihe wiederhergestellt", so Scheidemann. Die Fällungen seien notwendig. Scheidemann sagt: "Die Verwaltung bittet die Bürger um Verständnis."

Das jedoch möchten Christian Bierschenk und Nicole Huss nicht aufbringen. In einem Brief bitten sie Umweltminister Hermann Onko Aeikens um Unterstützung. "Wir werden den Sachverhalt prüfen", sagt Ministeriumssprecher Detlef Thiel auf Volksstimme-Anfrage. Bierschenk setzt weiter darauf, dass sich der OB umentscheidet. "Denn ohne die Linden auf dem Werder wäre das Stadtbild ein Stück grauer", sagt er.

Hier können Sie die komplette Stellungnahme der Stadtverwaltung nachlesen