Altstadt l Die Stimmung (engl. mood) anheben soll die dreimonatige Tour quer durch Deutschland, die nach 2012 zum zweiten Mal vom Künstler Sebastian Burger organisiert wird. Denn die ist bei depressiven Menschen oft im Keller. Durch Sport, Struktur, Natur und Gemeinschaft sollen sie wieder dort herausgeholt werden.

39 Betroffene radeln mit 25 Nichtbetroffenen seit dem Start am 14. Juni in Leipzig durchs Land. Insgesamt 70 Städte werden angefahren, am Sonnabend legen sie in Magdeburg einen Zwischenstopp ein. Auf dem Domplatz wird dazu ab 9 Uhr ein Info- und Bastelstand des Familienhauses Magdeburg über die Tour und die Krankheit informieren. Im Projekt "Ver-rückte Zeiten" kümmert sich die Einrichtung um Kinder, deren Eltern psychische Probleme wie Depressionen haben.

Gegen 10.15 Uhr sammeln sich die Tourteilnehmer dann vor dem Nordeingang des Doms, um gemeinsam mit den Magdeburgern zu einer Tagestour zu starten. Denn um das Thema Depression Außenstehenden nahezubringen, sind alle Interessierten aufgerufen mitzufahren. Ziel der gemeinsamen Tour ist das Wasserstraßenkreuz Magdeburg, gegen 16.30 Uhr ist die Rückkehr am Dom geplant.

Im Kern geht es darum die Tandem-Teams gut 40 Kilometer auf dem Elbradwanderweg nach Norden zu begleiten. Die Magdeburger fahren danach gemeinsam mit den lokalen Tourenleitern auf anderem Wege zurück, während die "Mood Tour" weiter nach Norden zieht.

Einer der Mitfahrer ist Martin, ein 69-jähriger Nervenarzt aus Berlin. "Die Tour kam 2012 als eine Art Rettung in einer Phase der Lähmung. Mein Tandempartner sorgte mit Gesang und Geschichten für Unterhaltung. Da musste ich einfach einstimmen", sagt er. Auch diesmal macht ihn die positive Anstrengung der Tour - für ihn eine Herausforderung - stolz.

Auch Kristina Wilms fährt in diesem Jahr mit. Sie hat im vergangenen April den "Digital Health Award" für die von ihr entwickelte "Arya App" für Smartphones gewonnen. Als sie selbst wegen einer Depression behandelt wurde, kam ihr die Idee dazu. Die App hält den Gefühlszustand der Patienten täglich fest und übermittelt sie an den Therapeuten. Ein SOS-Knopf kann zudem Freunde im Ernstfall alarmieren. Ihre App wird auf der Tour im Alltag getestet.

Die 60-jährige Elvira sagt über ihre Motivation mitzufahren: "Ich sehe es als wichtig an, dass die Krankheit Depression weiter entstigmatisiert wird. Als Betroffene habe ich selbst oft genug mit Vorurteilen und sogar direkten Benachteiligungen im Arbeitsleben zu tun gehabt. Es wird Zeit, dass depressive Menschen nicht mehr aufgrund ihrer Krankheit benachteiligt werden."

Für alle Magdeburger, die ebenfalls ein Zeichen setzen wollen, dass man sich 2014 nicht mehr für seelische Erkrankungen verstecken müssen sollte, gilt: Kommen Sie am Sonnabend einfach mit Ihrem Rad zum Treffpunkt am Dom, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, Kosten entstehen keine.