Magdeburg l Eine Demonstration mit mehr als 300 Teilnehmern hat sich am Freitagnachmittag am Magdeburger Hauptbahnhof in Bewegung gesetzt. Die Demonstranten – vornehmlich handelt es sich um Kurden – warnen vor einem drohenden Massaker nach dem Vorstoß der Islamisten auf die Stadt Sengal im Irak. Mitinitiatorin Medya Celik erklärte gegenüber der Volksstimme: "Unter den Demonstranten sind Jesiden, aber auch Muslime. Das macht deutlich, dass es uns nicht um religiöse Schranken geht, sondern um die Gefahr eines weiteren Völkermord in der Region."

Nach zweitägigen Kämpfen haben Kämpfer des Islamischen Staates (IS) die Stadt eingenommen. Laut Berichten aus der Region befinden sich Zehntausende Menschen auf der Flucht. Medya Celik berichtet: "Unter den Demonstranten, die aus Magdeburg und den benachbarten Regionen kommen, sind viele, deren Familien direkt bedroht sind." Die Islamisten sollen den vornehmlich jesidischen Bewohnern der Stadt eine Frist gesetzt haben, um zum Islam zu konvertieren. Wer diesem Druck nicht nachgibt, werde mit dem Tode bestraft. Wie viele Menschen den Islamisten bislang zum Opfer gefallen sind, ist derzeit unklar.

Die Initiatoren der Demonstration sehen die Ereignisse im Irak als eine weiter Etappe der Repressionen gegen Kurden in der Region: Nach dem Osten der Türkei und Syrien jetzt im Irak. Es sei zu befürchten, dass sich künftig auch im Iran die Bedrohung der Minderheiten zunimmt.

Die betroffene Stadt Sengal gilt als heilige Stätte für die Glaubensgemeinschaft der Jesiden. Bereits im Jahr 2007 war sie Angriffsziel für Islamisten. Damals seien mehr als 700 Menschen getötet worden, hieß es am Rande der Demonstration in Magdeburg.

Die Demonstrationsroute durch Magdeburg führte über Otto-von-Guericke-Straße und Hasselbachplatz, wo eine Zwischenkundgebung geplant war, weiter durch den Breiten Weg und zum Alten Markt. Weitere Demonstrationen in verschiedenen Städten Deutschlands sind geplant.