Magdeburg l Fahrradstraßen unterstützen die Fahrradnutzung und verbessern das Fahrradklima. Radfahrer erleben, dass sie bevorrechtigte Verkehrsteilnehmer sind und von der Kommune als solche auch erwünscht sind. Sie kommen dann in Betracht, wenn der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist.

Fahrradstraßen gab es im Prinzip schon früher, wenn Straßen mit dem Zeichen 237 "Sonderweg Radfahrer" als sogenannter Radweg auf Fahrbahnniveau beschildert wurden. Das bewährte sich in verschiedenen Orten - zum Beispiel in Bremen, Kiel, Lübeck und Münster. Jedoch war die Kennzeichnung sehr unterschiedlich. In Kiel, wo schon 1992 die erste Fahrradstraße eingerichtet wurde, schuf man mit der Ausweisung von Fahrradstraßen insbesondere im Verlauf von Velorouten und Tempo-30-Zonen ein sehr gutes Wegeangebot. Mit relativ geringen Finanzmitteln wurden gute und sichere Wege für Radfahrer eingerichtet. So konnte das Radverkehrsnetz zügig vervollständigt werden. Zwei Jahre später bewiesen Zählungen: Das Angebot der Fahrradstraßen wurde sehr schnell angenommen und der Radverkehr auf diesen Straßen zur dominierenden Verkehrsart.

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt seit April 2013, dass in Fahrradstraßen eine Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h erlaubt ist. Das wird vom ADFC positiv beurteilt. Das Geschwindigkeitsargument gegen die Umwandlung von Tempo-30-Straßen zu Fahrradstraßen entfällt somit. Und bei Bedarf wird dem Kraftfahrzeugverkehr zugleich eine weitere Verringerung der Geschwindigkeit auferlegt. Es wurde ein eindeutiges Rücksichtnahmegebot gegenüber dem Radverkehr festgelegt.

Schaut man sich das Radverkehrsnetz in Magdeburg hinsichtlich dieser rechtlichen Empfehlungen genauer an, so finden sich weitaus zielführendere Einsatzmöglichkeiten, als die 200 Meter lange Gartenweg-Sackgasse an der Schrote, zwischen Pestalozzistraße und Europaring, die vor Jahren, wohl eher als Anschauungsmuster, eingerichtet wurde.

Beispielsweise der Seilerweg, südlich der Brücke am Wasserfall, ist zugleich Elbe-Radweg und Zufahrt für mehrere Wassersportobjekte. Eine Fahrradstraßenregelung könnte hier, weitaus besser als die Tempo-30-Regelung, für mehr Erholungsqualität aller nichtmotorisierten Parkbesucher sorgen.

Im weiteren Elberadweg-Verlauf finden sich noch mehr Straßen, die für den Radverkehr bzw. den Radtourismus eine Aufwertung erfahren könnten. Beispiele sind der Heinrich-Heine-Platz, die Straße Sternbrücke zwischen Hammersteinweg und Steubenallee, der Domplatz, die Regierungsstraße und die 100 Meter der Großen Klosterstraße bis zum Weg über den Prämonstratenserberg, die Elbuferstraße Petriförder und das Sarajevo-Ufer bis zur kleinen Hafenhubbrücke. Momentan verläuft der Elberadweg an der Stelle etwas oberhalb.

Auch die Goethestraße - längster Parkplatz in Stadtfeld - ist eine Hauptfahrradroute abseits der Hauptverkehrsstraßen. Zwischen den zwei Parkreihen ist ein Überholen der Radfahrer eigentlich nicht möglich, wird aber trotzdem praktiziert. Demnächst kommen zum Börderadweg noch zwei überregionale Fahrrad­routen (Telegrafen- und Radweg Magdeburg - Braunschweig) hinzu. Die Ausweisung als Fahrradstraße würde das Radfahrklima stark verbessern. Zugleich wäre damit dann auch der einzige, lückenlos durchgängige Radverkehrsweg bis Diesdorf hergestellt.

Die Ausweisung von Fahrradstraßen sollte unbedingt durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden. Die geltenden Regeln in Fahrradstraßen sind nur wenigen Verkehrsteilnehmern bekannt. Es ist dort anfangs auch mit unschönen Situationen zu rechnen, wenn Kraftfahrer sich rabiat gegen Radfahrer durchzusetzen versuchen.

Das Leipziger Verkehrs- und Tiefbauamt hat 2012 ein Faltblatt "Fahrradstraßen in Leipzig - Hinweise für Radfahrer, Autofahrer und Anwohner" - das auch einen Fahrradstadtplan enthält - herausgegeben (www.leipzig.de/fahrrad). Eine ähnliche "Fahrradseite" könnte auch in Magdeburg die Öffentlichkeitsarbeit effektiv unterstützen.

In der Radverkehrskonzeption Magdeburg und im Verkehrsentwicklungsplan 2025 sollten Fahrradstraßen, zum Beispiel als Bestandteile von Radschnellwegen für innerstädtische Hauptrouten, vorrangig im "Grünen Netz" (verkehrsarme, -beruhigte Straßen und separate Wege), ein integrierter Bestandteil werden.

Das Magdeburger Anschauungsobjekt entlang der Schrote am Ende der Pestalozzistraße ist mittlerweile schon arg in die Jahre gekommen, dass es Zeit ist, den nächsten Schritt in dieser Richtung zu wagen. Wir sollten solche bewährten neuen Möglichkeiten mehr nutzen, den Autofahrern den Umstieg auf das Rad schmackhaft zu machen - zum Vorteil unserer Umwelt, der Stadt und unserer Gesundheit.*Der Autor des Beitrags ist Wolfgang Beier. Er engagiert sich im ADFC-Regionalverband Magdeburg.

   

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