Magdeburg l Jan-Ole Perschewski ist einer von mehr als 3400 Erstsemestlern an der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität. Er kommt aus Wester-Ohrstedt. Das liegt ganz im Norden Deutschlands. Der Informatik-Student wird in den nächsten Jahren in Magdeburg leben, er wird Angebote vor Ort nutzen, vielleicht sogar Angebote schaffen. Er freut sich auf die Studienzeit, berichtet der 18-Jährige am Rand der feierlichen Immatrikulationsveranstaltung in der Getec-Arena. Und die Stadt Magdeburg freut sich auf ihn. Schließlich wird er in Magdeburg Miete bezahlen, hier Lebensmittel einkaufen, hier auch freie Zeit verbringen und durch Besuch auch den ein oder anderen Touristen in die Stadt holen.

Studierende sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Magdeburg, der Geld in die Stadt bringt. Das bestätigte Oberbürgermeister Lutz Trümper. "Aber Studierende sind auch Initiatoren neuer Ideen, sei es im kulturellen oder auch im wirtschaftlichen Bereich", weist das Stadtoberhaupt auf eine weitere Bedeutung hin. Nicht zuletzt würden Studierende durch ihre Forschungsergebnisse imagebildend für die Landeshauptstadt wirken. Hochschulen und Fakultäten sollten Trümpers Ansicht nach deshalb wachsen, nicht schrumpfen. Natürlich müssten die Finanzen dabei im Blick behalten werden. Aber aus Hochschulen resultierten auch Wirtschaftsansiedlungen, die wiederum positive Effekte für die Stadt nach sich ziehen, betonte er.

2774 Vollzeit-Stellen: Die Uni als bedeutender Arbeitgeber

Wer den Studenten als Verbraucher in Zahlen sucht, muss nicht in die Ferne schweifen. An der Martin-Luther-Universität in Halle ist im vorigen Jahr erhoben worden, wieviel Geld Studierende in der Stadt lassen (siehe Infografik). 425 Männer und Frauen hatten Auskunft über ihre finanzielle Situation gegeben. Geht man davon aus, dass die Lebensbedingungen in Magdeburg ähnlich sind, und rechnet es der Einfachheit halber auf die Gesamtheit aller Magdeburger Studierenden auf 12 Monate, ergibt sich ein Wert von 120 Millionen Euro, den die jungen Leute in Magdeburg lassen. Dabei ist die Uni auch Arbeitgeber. In Vollzeit-Einheiten gerechnet, sind 2774 Stellen besetzt. Die Uni ist damit einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

Uni-Rektor Jens Strackeljan wies auf die gegenseitige Abhängigkeit von Stadt und Hochschule hin: "Ohne die Stadt würden wir die Studierenden nicht herholen und umgekehrt." Eine Uni mit technischem Profil könne dabei eine Versicherung für die Stadt sein. Denn Ziel sei es, die Absolventen "nicht einfach so zu entlassen", sagte Strackeljan. Die Uni wolle etwa bei Unternehmensgründungen als Ratgeber zur Seite stehen - am liebsten natürlich vor Ort. Mehr als 30 studentische Vereine und Initiativen wirken nicht nur uni-intern, sondern auch nach außen, führte Strackeljan weiter aus, und beleben so die Stadt.

Über ihre Rolle als Wirtschaftsfaktor sind sich die Studierenden gestern eher weniger bewusst. Auch Jan-Ole Perschewski hat sich darüber noch keine Gedanken gemacht, sagt er. Wichtig ist für ihn zunächst, wie seine Studienzeit verläuft. In der Getec-Arena nahm sie gestern zumindest schon einmal einen feierlichen Anfang...

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