Magdeburg l Gleich zu Beginn des Projekts hat so Pawel Pisetzki ein Bild für das Vorhaben geschaffen. Der Titel: "Ein neues Zuhause".

Im Mittelpunkt scheint sich in verschiedenen Blautönen der Himmel aufzutun. Von den Seiten zeichnen sich aus drei Richtungen Linien ab. Diese ließen sich als zarte Wolken an eben jenem Himmel interpretieren. Auf jeden Fall aber ergeben sie in ihrer Verlängerung den Davidstern. In dem Bild lassen sich mehrere der sechsstrahligen Sterne erkennen, die ineinander verschachtelt sind und sich überlagern.

Vom Rand der Vergangenheit ausgehend zur Mitte mit den im Geist vervollständigten Linien als Blick in die Zukunft auf kommende Generationen? "Mag sein", sagt der Maler.

"Ich möchte jeden Betrachter einladen, selbst Ideen zu finden, selbst Interpretationen zu finden."

"Aber ich möchte jeden Betrachter einladen, selbst Ideen zu finden, selbst Interpretationen zu finden."

Von den Seiten her zeichnen sich grau strukturierte Flächen ab, welche im Sinne des Blicks in den Himmel ebenfalls als Wolken interpretiert werden können. Hier wie an anderen Stellen der Arbeit wurden verschiedene Materialien in mehreren Schichten übereinandergelegt.

Damit zeigen sich in den Strukturen der äußeren Bereiche auch so etwas wie Gebirge - also der Blick von oben herunter auf das Land. Und mit diesem Blick öffnet sich dem Betrachter eine weitere Perspektive: Nicht wie gewohnt eingenordet, wohl aber mit Blick nach Ost-Süd-Ost sind hier sowohl die Konturen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt mit Begrenzung der äußeren Strukturen als auch die der Stadt Magdeburg im inneren blauen Bereich zu erkennen.

Die Grenze zwischen den Umrissen Magdeburgs und Sachsen-Anhalts bildet derweil ein hebräischer Schriftzug, und zwar die älteste religiöse Aufforderung des Judentums zum Bau eines Gebetshauses, der in seiner Übersetzung im Alten Testament lautet: "Ein Heiligtum sollen sie mir machen, dass ich einwohne in ihrer Mitte."

Und damit ist klar, worum es dem Künstler geht: "Ich möchte mit dieser Arbeit einen Beitrag leisten, dass das Projekt der Neuen Synagoge Magdeburg in wenigen Jahren verwirklicht ist", sagt Pawel Pisetzki im Gespräch mit der Volksstimme. Zunächst war geplant, das Gemälde für den Synagogenbau zugunsten des Neubauprojektes zu versteigern. Doch diese Idee ist jetzt vom Tisch. Vielmehr reist das Bild mit zu den Veranstaltungen, wo das Vorhaben vorgestellt wird, in den kommenden Jahren in Magdeburg unweit des Standortes der 1938 zerstörten Synagoge an der Julius-Bremer-Straße eine neue zu errichten, die eingebettet werden soll in ein neues Gemeindezentrum, welches das bisherige zu klein gewordene in der Gröperstraße ersetzen soll. Wenn der Neubau steht, dürfte sich auch ein Platz für Pawel Pisetzkis Arbeit finden lassen.

Pawel Pisetzki hat sich bereits an anderen Stellen um die Kultur verdient gemacht: 1980 in Riga geboren lebt er seit 1994 in Magdeburg - und hat sich sofort in die ehrenamtliche Arbeit als Leiter des Jugendzentrums der Synagogengemeinde zu Magdeburg eingebracht. Inzwischen war er darüber hinaus längst mit eigenen Beiträgen zu Ausstellungen zum Beispiel in den Kabinetten der Künste vom Verein Kulturanker oder musikalisch in der Band Karavan öffentlich zu erleben.