Magdeburg l Die IG Innenstadt, die Interessenvertretung der Magdeburger Innenstadthändler, macht sich öffentlich "große Sorgen" um die zukünftige Finanzlage der Stadt. Der Grund: Die enorme Kostensteigerung für den Tunnelbau am Kölner Platz. Statt angenommener 36,4 Millionen Euro könnte das Projekt rund 90 Millionen Euro kosten. "Wir fürchten das Schlimmste für die Stadtfinanzen. In Verantwortung für die Stadtentwicklung sollte jetzt klug abgewogen werden, ob der Tunnel immer noch die beste Lösung ist", so der Vorsitzende der IG Innenstadt, Frank Wagner. Wegen der zu erwartenden galoppierenden Kosten und des unkalkulierbaren finanziellen Risikos bittet die IG Innenstadt die Politik und Verwaltung, noch einmal über Alternativen nachzudenken.

Eine bezahlbare, ökologisch vertretbare und verkehrstechnisch sinnvolle Unterführungsvariante sei gefordert: "Das kann am Ende durchaus die Tunnellösung sein. Doch dazu muss man zunächst seriös und nachvollziehbar die Kosten anderer Varianten ermitteln und vorlegen", so Frank Wagner. Da die Deutsche Bahn ebenso wie die Stadt von der Kostenexplosion betroffen sei, dürfte darum auch bei der Bahn eine Gesprächsbereitschaft bestehen. "Eine mögliche Aufkündigung der bisherigen Kreuzungsvereinbarung mit der Bahn und die gleichzeitige Vereinbarung einer möglicherweise deutlich günstigeren Alternative ist ganz sicher im Interesse beider Seiten."

Angesichts der Ankündigung der Landesregierung, ab 2015 alle Straßenbaumaßnahmen in Magdeburg nur noch jährlich mit 4,5 Millionen Euro zu fördern, bestehe die Gefahr, dass ein Festhalten am teuren Tunnel alle Straßenbau- und Straßensanierungsprojekte zwischen Rothensee und Reform verhindere. Die IG befürchte, dass die Stadt nicht einmal mehr beide fest geplanten Verkehrsneubauprojekte "Bahnhofsbrücken Kölner Platz" und "Strombrückenverlängerung" finanzieren könne. Wagner: "Wenn dem so ist, könnte ganz Ostelbien über Jahre vom Stadtleben abgeschnitten werden."

Man hoffe, dass es nun möglich sei, auch über Alternativvarianten zum Tunnel nachzudenken. So beispielsweise die sogenannte "Nullvariante" - die einfache Fahrbahnabsenkung um 80 Zentimeter - durchzurechnen. Nach Ansicht der IG Innenstadt seien sich Bauexperten, selbst aus dem Baudezernat, sicher, dass ein neues Planfeststellungsverfahren in zwei Jahren abgeschlossen sein könne. "Wenn eine andere Variante als der Tunnel weniger risikoreich für die Stadtfinanzen ist, dann muss man sie ernsthaft in Erwägung ziehen", meint Wagner. Die IG Innenstadt sei für diese Nullvariante, sollte sie deutlich preiswerter sein - und auch, weil sich die Bauzeit gegenüber einem Tunnel halbieren würde.