Magdeburg l "Daumen hoch" zeigen die Arbeiter auf der Hebebühne in mehreren Metern Höhe und freuen sich über die Aufmerksamkeit durch die Journalistenkamera. Sie und ihre Kollegen im Inneren sind gestern Vormittag dabei, Material aus dem "Blauen Bock" herauszuschaffen. Die Entkernung für das leerstehende Bürogebäude an der Ernst-Reuter-Allee - dessen Anblick seit Jahren das größte Ärgernis für viele Magdeburger ist - hat bereits begonnen.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) das Haus gekauft haben, es abreißen und ihren neuen Geschäftssitz dort errichten wollen. Eigentlich sollte mit dem Abriss frühestens im kommenden Jahr begonnen werden, weshalb die jetzt durchgeführten Arbeiten Verwunderung hervorrufen.

Entkernung wurde im Kaufvertrag zugesichert

Nach Angaben des Energieunternehmens sind auch nicht die SWM deren Auftraggeber. Vielmehr sei der bisherige Eigentümer, die Prelios Immobilien Management GmbH aus Hamburg, dafür verantwortlich. Denn nach Volksstimme-Informationen wurde im Kaufvertrag festgehalten, dass die Übergabe des "Bocks" "entkernt" zu erfolgen hat. Was genau das bedeutet, wollte die Volksstimme von einem Prelios-Vertreter erfahren. Trotz mehrmaliger Nachfrage war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Gemeinhin umfasst die Entkernung von Gebäuden aber die Demontage aller Einbauteile. Das heißt alle Türen, Fenster, Böden, Unterdecken, nichttragende Innenwände sowie die komplette Gebäudetechnik (Lüftung, Heizung, Sanitär und Elektro) kommt raus. Mehr oder weniger bleibt letztendlich nur die für den Abriss bereite Fassade stehen.

Ob diese Maßnahmen auch am "Blauen Bock" in diesem Umfang durchgeführt werden und somit dessen "Gerippe" bis zum tatsächlichen Abriss über Monate stehen bleibt, ist vorerst unklar.

300 Mitarbeiter ziehen an neuen Arbeitsplatz

Der Energielieferant wolle 2015 einen Entwurf erarbeiten lassen, "der zu den Anforderungen eines kommunalen Versorgungsunternehmens passt und ebenso die besondere Lage in der Innenstadt berücksichtigt", hatte SWM-Chef Helmut Herdt nach Bekanntwerden des Verkaufs erklärt.

Deshalb wurden auch angrenzende Bereiche in Richtung "Karstadt"-Warenhaus erworben, um die bebaubare Grundfläche in etwa zu verdoppeln. Frühestens 2016 wäre Baustart für den Nachfolgebau. Rund 300 Mitarbeiter sollen aus dem bisherigen SWM-Stammsitz im City Carré zum "neuen" Blauen Bock wechseln.

Mit dem Verkauf ging ein beinahe 25 Jahre währendes Hickhack um die marode Immobilie in bester Innenstadtlage zu Ende.