Magdeburg l Sie wollen keine Alters- und keine Kinderarmut. Sie wollen mehr Volksentscheide und keine Kriegstreiberei. Sie wollen nur gut integrierte Ausländer im Land, keine kriminellen und keine Islamisten. Sie berufen sich auf die Menschenrechte, auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Es ist für jeden was dabei. Viele Teilnehmer halten die deutsche Fahne hoch. Die Frage bleibt: Wofür?

Am Montagabend finden sich 800 Frauen und Männer neben dem Rathaus zusammen. Polizei und Verfassungsschutz machen Rechtsextreme unter den Teilnehmern aus, halten sie aber für eine Minderheit, für nicht dominant.

Auftakt: Zunächst werden von der Lkw-Bühne Veranstaltungsregeln verlesen. Sie gleichen aufs Haar jenen, die Rechtsradikale für ihre Aufmärsche um den Tag der Stadtzerstörung herum ausgeben: kein Alkohol, keine Uniformen, keine Waffen, keine Gewalt, keine Aufrufe zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf Plakaten.

"Wir sind keine Neonazis", ruft eine Frau in die Menge und erntet tosenden Applaus.

Der Hauptreder, der nun ans Mikrofon tritt, heißt Michael Ahlborn, AfD-Kandidat zur letzten Kommunalwahl (siehe Beitrag unten).

"Es gibt auch gute Türken"

Ahlborn erzählt "aus seinem Leben" und von einem türkischen Freund. Der hätte zu einer Gruppe von "Glatzen" gehört, mit denen er, Ahlborn, dereinst im heimischen Hannover Probleme gehabt habe. Später hätten der Türke und er sich befreundet und gegenseitig geholfen, ein paar Sachen "klarzumachen". Er sei sogar zu Hause beim Türken mit Obst und Tee sehr freundlich bewirtet worden. "Was ich sagen will: Es gibt auch gute Türken. Wenn die sich hier integrieren, kein Problem", so Ahlborn. Ein Vorgeplänkel, denn jetzt rechnet Ahlborn mit den anderen ab; mit Ausländern, die ins Land strömten, um sich hier danebenzu-benehmen.

Er zählt Straftaten auf, von Ausländern begangene, die jedermann erzittern lassen müssen, zum Beispiel den schrecklichen Mord an einer jungen und hochschwangeren Berlinerin, begangen vermutlich von ihrem türkischen Ex-Freund und seinem Kumpel, einem Deutschen. Den Deutschen lässt Ahlborn unerwähnt.

Der Mann schürt Fremdenangst anhand erschütternder Einzeltaten, die in sein Weltbild passen. Die Mehrheit derer, die am Montag für Magida auf die Straße geht, bedenkt das mit Beifall. Ahlborn: "Die kommen hierher, kriegen ein Bett, zu essen und sogar Geld. Da ist man doch dankbar. Und was machen die? Die treten uns. Die schlagen uns." Die Menge applaudiert.

Der Applaus steigert sich mit jeder noch so pauschalen Schimpftirade, die der Redner auf "die Politiker" und "die Medien" niedergehen lässt. Die breite Gegenbewegung zu Pe-, Le-, Magida und wie sie alle heißen ist aus der Sicht der Anhänger vom Establishment gemacht. Angehörige öffentlicher Behörden würden aufgefordert, gegen Pegida auf die Straße zu gehen, Studenten von Vorlesungen freigestellt und Schüler in der Unterrichtszeit auf Gegendemonstrationen geleitet. In Lübeck soll das bei einer Schülerdemo tatsächlich geschehen sein. Die Medien berichten darüber. Ahlborn verschweigt das und schürt das Bild von der "Lügenpresse". Applaus.

Unter den 800 Magida-Demonstranten entlädt sich viel allgemeiner Verdruss auf Staatsmacht, Politiker, Medien und Angst vor einer Nachbarschaft, die auch in Magdeburg perspektivisch bunter als heute aussehen könnte im Einwanderungsland Deutschland.

Hasspredigt auf den Islam

Genau diese Angst, von Ahlborn kräftig geschürt, greift im Anschluss ein gewisser Zahid Khan als Gastredner auf. Er stammt aus Pakistan, lebt seit den 1970er Jahren in Deutschland, spricht bis heute nur schlecht Deutsch und hat mit der Bewegung der selbst ernannten Abendlandverteidiger eines gemein: Khan - seine Familie soll einer religiösen und von Islamisten verfolgten Minderheit angehören - hasst den Islam. 2014 erlangt Khan deutschlandweit zweifelhafte Popularität, weil sich Morddrohungen gegen ihn vor Gericht als PR-Coup für sein Buch "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" herausstellen. Bei Magida finden seine auf Englisch schreiend vorgetragenen und von einer Dolmetscherin ebenso schreiend übersetzten Hasstiraden auf die Weltreligion zustimmenden Jubel. Khan wird gefeiert für seine vernichtende Religionskritik: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Der Islam gehört nicht in irgendein demokratisches Land dieser Welt."

Dass ihr Heimatland eine Demokratie ist, stellen die Magida-Anhänger offen infrage. "Das soll eine Demokratie sein", hatte Ahlborn schallend lachend ins Mikrofon getönt, "wo wir nicht einmal ungehindert unsere Meinung sagen können?" Viele Demonstranten lachen mit, schütteln die Köpfe, scheinen Ahlborns Meinung zu teilen. Dabei haben sie ihre Meinung am Montagabend eine Stunde lang öffentlich und unter Polizeischutz zu Markte tragen dürfen.