Magdeburg l Vor fünf Jahren war das schwimmende Kraftwerk "Elb-Strom 1" erstmals ans "Netz" gegangen. Weil sich der erste Versuch des Magdeburger Konstrukteurs Werner Führer aber als nicht praxistauglich erwies, musste das Gefährt wieder aufs Trockene und grundlegend überarbeitet werden. Seit einiger Zeit ist es als "Elb-Strom 2" wieder zurück im Wasser der Stromelbe, um deren Namen endlich gerecht zu werden.

Denn mit Hilfe der vier Meter breiten Schaufel soll Energie aus dem fließenden Wasser gewonnen werden und irgendwann einmal in den Steckdosen der Stadt landen. Momentan gilt es noch, einige "Kinderkrankheiten" zu beheben, weshalb sich das Rad derzeit auch nicht dreht, erklärt Heinrich Schmidt. Er ist Geschäftsführer des Hannoveraner Stromversorgers EHG, der seit dem Start des Projekts viel Zeit und Geld in dessen Entwicklung gesteckt hat.

So wurde nach dem ersten gescheiterten Versuch u. a. ein Treibgutabweiser installiert, der nun verhindert, dass sich auf der Elbe schwimmendes Treibgut in die Schaufel verirrt. Eine Schwierigkeit sei es aber immer noch, die verschiedenen Pegelstände der Elbe auszugleichen, so Schmidt. Da sich diese recht schnell verändern, wird auch das Rad jeweils unterschiedlich bewegt. Um diese Schwankungen ausgleichen zu können, werde aktuell noch geforscht.

Wasserstrom habe einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen erneuerbaren Energieformen wie Wind und Photovoltaik: die Kontinuität. Da das Wasser immer relativ gleichmäßig fließt, fließt auch der Strom ebenso sicher. "Das ist 24 Stunden lang eine schöne Strommenge", sagt Schmidt. Je nach Wasserstand und Strömungsgeschwindigkeit wird unterschiedlich Strom gewonnen. Ist die Elbe "voll", werden nach seinen Angaben bis zu 14 Kilowatt in der Stunde gewonnen. Zum Vergleich: Ein bundesdeutscher 4-Personen-Haushalt verbraucht so viel Strom insgesamt am Tag.

Bei üblichen Flusskraftwerken würde zudem eine Mauer quer durch den Fluss führen und so die Schifffahrt behindern. "Unsere Anlage ist so ausgerichtet, dass die Schiffe fahren können", stellt Heinrich Schmidt heraus.

Wenn der Strom erst mal fließt, soll die Anlage am Elbufer Vorzeigeobjekt für potenzielle Interessenten sein, erklärt der Geschäftsführer weiter. Im Ausland, vor allem in Asien, sieht er Geschäftsfelder. "Leute, die weit weg von Stromquellen an Flüssen wohnen", sagt er.

Mario Spiewack vom bundesweit aktiven "Netzwerk Flussstrom" sieht in dem Zweig "ein Nischenprodukt, aber mit einem breiten Markt". Das in der Experimentellen Fabrik beheimatete Firmen- und Forschungsnetzwerk begleitet das Projekt seit Beginn und führt auch weitere Versuche an Rhein und Neiße durch. Geeignete Standorte gibt es nicht überall, sagt er, das Wasser müsse mindestens 1,5 Meter pro Sekunde schnell fließen. Es lohne sich aber zu forschen, da es sich um einen "Milliardenmarkt" handele.

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