Informationen leitet die Volksstimme an Dominique Wilmart weiter. Mails bitte an martin.riess@volksstimme.de

Limoges/Magdeburg l Der Erste Weltkrieg hat in weiten Teilen Europas bis heute seine Spuren hinterlassen - auch weit entfernt von den eigentlichen Frontgräben. So gibt es in der 136.000-Einwohner-Stadt Limoges im nordwestlichen Zentralmassiv in Frankreich einen Friedhof, auf dem fast 800 Soldaten beerdigt sind: 636 französische und 142 deutsche.

Zum Gedenken an den 100. Jahrestag des Kriegsbeginns hat Dominique Wilmart recherchiert. Er berichtet: "Eine Sache blieb mir ein Rätsel: Von 142 deutschen Grabkreuzen trugen 17 die Inschrift ,ein unbekannter deutscher Soldat\\\', dagegen findet sich nur ein unbekannter französischer Soldat neben seinen 635 Kameraden." Es sei häufig vorgekommen, dass ein auf dem Schlachtfeld gefallener Soldat nicht zu identifizieren war.

Dass es aber keine Hinweise auf die Namen von im Lazarett verstorbenen Soldaten geben sollte, erschien dem Einwohner von Limoges seltsam. Der Volksstimme schreibt er: "Bei einer Überprüfung der zivilen und militärischen Urkunden im hiesigen Archiv bemerkte ich, dass die Aussteller der Urkunden die Zahlen der Kennmarken von 11 der 17 deutschen unbekannten Soldaten festgehalten hatten."

Grenadier im Garde-Regiment

Mit diesen Informationen hat Dominique Wilmart Kontakt mit dem Bundesministerium für Verteidigung in Berlin aufgenommen. Dieses verwies ihn an die Deutsche Dienststelle (WASt) in Berlin und den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Anhand der von ihm recherchierten Dokumente konnten jetzt, 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, zwei Soldaten identifiziert werden. Einer von ihnen ist Gustav Becker II.

Bekannt ist nur, dass er in Magdeburg geboren wurde, dass er als Grenadier in der 8. Kompanie des Kaiser-Alexander-Garde-Regiments Nr. 1 diente und dass er in Limoges am 19. September 1914 gestorben ist. Da jede Urkunde einem Grab zugeordnet ist, ist genau bekannt, wo Gustav Becker II auf dem Friedhof von Limoges liegt. Wie alle anderen Deutschen auf dem Friedhof ist er zwischen den Jahren 1914 und 1918 im Lazarett von Limoges gestorben.

Dominique Wilmart hat inzwischen beim Oberlandesgericht Limoges die Berichtigung der standesamtlichen Urkunden veranlasst. Er berichtet: "Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge teilte mir mit, dass er in Betracht all dieser Unterlagen plant, im Laufe dieses Frühjahrs die Grabkreuze der beiden Soldaten zu ändern."

Fehlendes Geburtsdatum macht die Suche schwierig

Doch für den Franzosen ist die Geschichte damit nicht beendet. "Das Spannendste bleibt für mich noch zu tun", schreibt er. Es geht ihm jetzt darum herauszufinden, ob es vielleicht Nachkommen, Enkel oder Urenkel gibt, die über den Verbleib von Gustav Becker II informiert werden müssen. "Diese Aufgabe ist schwierig", schreibt Dominique Wilmart.

Grund: Für die Magdeburger Archive ist es kompliziert, den Namen Gustav Becker II den Daten in den Magazinen zuzuordnen. Denn: Der Familienname Becker ist recht häufig, und da auch das Geburtsdatum des in Limoges beerdigten Soldaten nicht bekannt ist, gleicht die Suche nach ihm in den Aktenbeständen der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Dominque Wilmart hofft nun, dass vielleicht ein Volksstimme-Leser weiterhelfen kann, das Schicksal des Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg endgültig aufzuklären.