Magdeburg l Magdeburg ist bekannt für seinen Domfelsen. Dieser ragt aber nicht als einzelnes Element aus der Erde, sondern ist Teil einer größeren Formation, die im Nordwesten bis in den Flechtinger Höhenzug reicht. Der Domfelsen ist der geologischen Gesteinseinheit des Rotliegend zuzuordnen. Günter Schönberg vom Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt erläutert: "Das Rotliegend ist in der Zeit des Unterperm vor 296 bis 258 Millionen Jahren entstanden." Seinen Namen erhielt das Rotliegend nach seinen überwiegend rot gefärbten Gesteinen.

"Im älteren Teil, dem Unterrotliegend, treten vorherrschend vulkanische Gesteine auf, die im Flechtinger Höhenzug abgebaut werden und Mächtigkeiten bis zu 2000 Meter erreichen", berichtet Günter Schönberg. Diese Schichten fehlen allerdings im Raum Magdeburg. Hier kommt das Oberrotliegend an die Oberfläche. Es besteht aus einer mächtigen Sedimentfolge von Sand-, Schluff- und Tonsteinen sowie Konglomeraten. Bei Schluff handelt es sich um Gestein, dessen Korngrößen zwischen der des gröberen Sandes und des feineren Tons liege. Konglomerate enthalten mindestens zur Hälfte abgerundete Steine. "Die Gesteine entstanden in landnahen Bereichen in einem oxydierenden Milieu und erhielten dadurch und durch ihren Eisengehalt eine rote Farbe", berichtet der Mitarbeiter des Landesamtes für Geologie und Bergwesen. Im engeren Stadtgebiet ist nur der höhere Teil dieses Schichtkomplexes nachgewiesen und zum Teil in Oberflächennähe zugänglich.

Die Gesteine liegen in einem etwa 1500 bis 2000 Meter breiten Streifen unter Magdeburg. Dieser zieht sich von Nordwest nach Südost durch die Stadt. Über ihm liegen Lockergesteine aus den Epochen von Quartär und Tertiär. Der Fachmann spricht von einer geringmächtigen Schicht - das bedeutet, dass diese Deckschicht ein paar Meter oder auch wenige Dezimeter dick ist. Ohne nennenswerte Überdeckung ist das Gestein an der Sohle der Elbe zu finden.

An wenigen Stellen reicht der Fels zur Oberfläche

Günter Schönberg sagt: "Darüber hinaus sollen die geringsten Abstände zur Erdoberfläche in Felsenbrunnen im Bereich Kutscher- und Münzstraße vorhanden sein. Lediglich am Domfelsen ist das Rotliegend bei Niedrigwasser auf einer Länge von etwa 200 Metern bei einer Breite von über 50 Metern frei zu sehen." Umfangreiche Untersuchungen am Domfelsen haben bei Niedrigwasser 1976 Geologen aus Gommern vorgenommen. Sie stellten fest, dass es sich um eine Wechselfolge rotbrauner feinsandiger Schluffsteine und schluffiger Feinsandsteine handelt. Gefunden wurde lediglich eine Tonsteinschicht. "Mehrfach wurden Rippelmarken auf Schichtflächen festgestellt. Das Gestein ist deutlich geklüftet und verwittert entlang der Schichtflächen entsprechend in plattiger Form", berichtet der Fachmann vom Landesamt.

Weitere Kenntnisse zum Gesteinsaufbau gehen auf zahlreiche Bohrungen und Baugruben im Stadtgebiet zurück. Der Wehrturm "Kiek in die Köken" steht zum Beispiel direkt auf dem Rotliegendfels.