Magdeburg l Gleich zwei Verbrechen konnten in dieser Woche durch die tatkräftige Hilfe von Zeugen aufgeklärt werden. Ein Einbrecher und ein Dieb wanderten so hinter Gitter. Im ersten Fall hatte der Magdeburger Sven Meyer (35) am Mittwochnachmittag mit einem Kollegen in einer Gartensparte einen Einbrecher beobachtet, der sich an einer Laube zu schaffen machte.

Mitgehen lassen wollte der Dieb eine Heckenschere, einen Rasenmäher und anderes Werkzeug. "Als wir ihn stellen wollten, hat er uns erst mit Pfefferspray eingenebelt, meinen Kollegen hat es richtig übel erwischt", sagt Meyer. Aus nur 30Zentimetern Entfernung habe der Kollege die Wolke des Sprays ins Gesicht bekommen, Meyer selbst war etwa einen Meter von der Sprühdose entfernt. Die tränenden Augen hielten die Magdeburger aber nicht davon ab, den flüchtenden Dieb durch die Gartensparte zu verfolgen. Sven Meyer erzählt: "Ungefähr 300 Meter sind wir hinterhergerannt, dann ist ihm eine Schlammkuhle zum Verhängnis geworden."

Zu zweit konnten Meyer und sein Kollege den Dieb festhalten, bis die Polizei ankam. "In meine Laube ist vor einer Woche erst jemand eingebrochen, ein Akkuschrauber und ein Trennschleifer sind weg", erklärt Sven Meyer. Wenn er noch einmal in eine solche Situation käme, würde er den Dieb genauso verfolgen wie am Mittwoch.

Einen weiteren Fall von Zivilcourage gab es in dieser Woche in Stadtfeld. Jens Müller* (39) beobachtete vor wenigen Tagen am frühen Morgen einen Mann, der in der Nachbarschaft seines Hauses in Stadtfeld herumschlich. Weil es in der Vergangenheit schon mehrere Einbrüche in der Nachbarschaft und Einbruchsversuche am eigenen Haus gegeben hatte, wurde er misstrauisch. "Ich konnte den Mann nicht zuordnen, er ist dann auch in einen weißen Transporter eingestiegen und weggefahren", erzählt er.

Am nächsten Morgen habe er intuitiv wieder nach dem Transporter Ausschau gehalten. "Das Auto hatte einen markanten Aufbau, den ich sofort wiedererkannt habe", sagt er. Den Fahrer des Wagens habe er dann beobachtet, wie er von den verschiedenen Baustellen in der Straße Dinge zusammenkramte.

Müllers Kamera liegt immer griffbereit im Haus, darum habe er sie genutzt, um den Dieb zu filmen. "Der Dieb hat Sachen wie Kabel und einen Elektrokasten ins Auto geladen und ist dann weggefahren. Danach habe ich mich erst mal hingesetzt und überlegt, was ich jetzt mit dem Film mache", berichtet er.

Als später am Tage die Polizei kam, um den Diebstahl aufzunehmen, konnte er den überraschten Beamten den Täter direkt im Video präsentieren. Per USB-Stick konnten sie das Beweismittel mitnehmen und auswerten - was folgte, war die Festnahme des Täters. Jens Müller selbst ist der Rummel um seine Person unangenehm, "für mich war und ist es selbstverständlich, etwas zu tun und nicht einfach wegzuschauen", sagt er. Vielleicht schrecke es weitere Kleinkriminelle auch ab, wenn sie wüssten, dass auch in den Neubausiedlungen die Nachbarschaft mit ganz offenen Augen auf Fremde achtet.

Auch im Harz konnte diese Woche dank eines aufmerksamen Zeugen die Polizei fünf Diebe auf frischer Tat stellen. Wie ein Sprecher des Lagezentrums der Halberstädter Polizei mitteilte, hatte ein Anwohner in Rübeland in einem Garagenkomplex auffällige Bewegungen beobachtet und umgehend den Notruf gewählt. "Bei der Kontrolle wurden insgesamt 21 aufgebrochene Garagen entdeckt."

In unmittelbarer Nähe entdeckten die Beamten dann Diebesgut wie Autoräder und eine Motorkettensäge, welche offensichtlich schon zur Abholung bereitgelegt worden waren", so der Polizeisprecher. Unweit des Tatortes kontrollierten die Beamten ein Fahrzeug mit fünf jungen Männern im Alter zwischen 17 und 23 Jahren aus Halberstadt und Thale. "Alle fünf sind uns einschlägig bekannt und konnten mit den 21 Einbrüchen in Verbindung gebracht werden", hieß es von der Polizei. Gegen die Männer wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Polizeisprecher Marc Becher merkt nach den Vorfällen in dieser Woche an, dass jeder Zeuge einen Täter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten dürfe. "Allerdings sollte man sich selbst nicht in Gefahr bringen", sagt er und ergänzt: "Wer einen Täter bei einer Straftat filmt, sollte den Film der Polizei übergeben, den Clip aber auf keinen Fall ins Internet stellen."

(*Name geändert)