Cracau l Gunter Demnig spricht nicht, er setzt einen Stolperstein nach dem anderen ins Pflaster. Mehrere Tausend dieser Erinnerungsblöcke hat er bereits verlegt, an diesem Vormittag vor dem Johannesstift in der Pfeifferstraße sind es weitere 25. Demnig arbeitet wie ein gelernter Steinsetzer.

Bei dieser 23. Magdeburger Stolpersteinverlegung wird an Menschen mit Behinderung erinnert, die von den Nationalsozialisten als "unwertes Leben" eingestuft und ermordet wurden. "Gnadentod" nennt es Hitlers "Führerbefehl" zynisch.

Während der Künstler Gunter Demnig - er hat die bundesweite Stolperstein-Gedenkaktion ins Leben gerufen - Block für Block fachmännisch im Gehweg versenkt, lesen Waltraut und Gerhard Zachhuber aus ärztlichen Beurteilungen vor, die einst über die ermordeten behinderten Menschen von ihren damaligen Ärzten der Pfeifferschen Stiftungen, wo sie untergebracht waren, erstellt wurden. Alle Beurteilungen klingen positiv: Von Fortschritten, die gemacht wurden, ist die Rede, von besonderen Vorlieben wird berichtet, von Freundlichkeit, die manch einen auszeichnet. Und am Ende steht immer eine kurze bürokratische Mitteilung an die Angehörigen: XY ist verlegt, etwa nach Uchtspringe. Und später dann sind diese schutzbedürftigen Menschen tot.

Rund 200000 Menschen mit Behinderungen haben die Nationalsozialisten im Rahmen eines Euthanasie-Programms ermordet, anfänglich in Gaskammern, dann gezielt durch Vernachlässigung, verhungern lassen, falsche Medikamente und durch Todesspritzen. Zahlreiche psychiatrische Einrichtungen in ganz Deutschland waren darin verstrickt.

Die Arbeitsgruppe Stolpersteine hat für Magdeburg herausgefunden, dass behinderte Kinder, Frauen und Jugendliche aus der Region bei den Pfeifferschen Stiftungen im Samariterhaus, im Kaiserhaus und in den Häusern "Bethesda" und "Johannesstift" untergebracht waren. Am 31. März 1941 wurden sieben Frauen in die Heilanstalt Neuhaldensleben verlegt, fünf von ihnen weiter nach Uchtspringe. Am 30. Mai und 25. August 1941 wurden etwa 30 Frauen und Kinder direkt nach Uchtspringe gebracht. Die meisten von ihnen waren Monate später tot.

An diese weitere dunkle Facette des Rassenwahns der Nazis sollen die 25 Stolpersteine in der Pfeifferstraße erinnern. Jeder Stein trägt den Namen und einige Lebensdaten des Menschen, der, bevor er von den Nazis verschleppt und ermordet wurde, in der Straße gewohnt hat.