Das Magdeburger Recht:
Das Magdeburger Recht ist ein Recht von europäischer Bedeutung und ist aus der heutigen Landeshauptstadt hervorgegangen. Es ist schon im 12. Jahrhundert nachweisbar. Zusammen mit dem von Eike von Repgow verfassten Sachsenspiegel verbreitete es sich ab dem 13. Jahrhundert in Mittel- und Osteuropa. Dort galt es in etwa 1000 Städten und Gemeinden. Es stärkte vornehmlich die Interessen des Stadtbürgertums, indem es persönliche Freiheit, das Recht auf Eigentum, die Unantastbarkeit des Lebens und das Recht auf ungestörte wirtschaftliche Tätigkeit garantierte. Der Magdeburger Schöffenstuhl schlichtete abschließend Streitfälle aus dem gesamten Verbreitungsgebiet. So erlangte das Magdeburger Recht grenzüberschreitende Bedeutung. Magdeburg wurde zu einer Rechtsmetropole europäischen Ranges und blieb dies jahrhundertelang.

In vielen Orten, in denen das Magdeburger Recht einst galt, wird noch heute voller Stolz daran erinnert. Am bekanntesten ist das Denkmal in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, mit dem die Kiewer Bürger 1802 an die Wiedereinführung des Magdeburger Rechts erinnert haben. Leider erinnert bisher in Magdeburg nichts an diesen bedeutenden Sachverhalt. Unter anderem ist dies auch schwierig, weil vieles, was an das Magdeburger Recht erinnert hätte, im 30-jährigen Krieg zerstört wurde.

Benefizaktionen:
Die Vortragsreihe des Kulturhistorischen Museums wird in diesem Jahr fortgesetzt. Unter dem Motto "Magdeburger Recht III" sind drei Veranstaltungen geplant, bei denen der Verein Magdeburger Recht zu einem kleinen Imbiss einlädt, um für sein Vorhaben zu werben.
Termine: 28. April, 16. Juni, 30. Juni
Los geht‘s jeweils um 19 Uhr im Kaiser-Otto-Saal.

Altstadt l 13 zwei Meter hohe Stelen, auf jeder ein Buchsbaum und zwischen den Stelen horizontal angebrachte Holzbohlen, auf denen Passanten auf dem Ulrichplatz pausieren können - so stellt sich der Verein Denkmal Magdeburger Recht das Erinnerungswerk für das Magdeburger Recht vor.

Im Januar wurde über fünf Vorschläge abgestimmt, inzwischen sei auch Oberbürgermeister Lutz Trümper informiert, dass die Entscheidung auf das Modell des Künstlers Claus Bury aus Frankfurt am Main gefallen sei. Er ist für großformatige architektonische Skulpturen bekannt. Der Künstler wendet regelmäßig die Zahlensysteme des Mathematikers Leonardo Fibonacci an. Das gilt auch für sein bisher größtes Werk, den Bitterfelder Bogen, eine Stahlskulptur, die als Aussichtsplattform dient.

Städtenamen sollen das Interesse wecken

Die Entscheidung für Claus Burys Modell war jedoch denkbar knapp. In die engere Auswahl war auch der Vorschlag von Anatoliy Waliev gekommen. Mit vier zu sechs Stimmen entschieden die Mitglieder des Vereines aber dagegen, darunter auch Vorstandsmitglied Bernd Biedermann. Einer der Gründe war, dass es ein ähnliches Modell bereits am Schleinufer gibt. Und am Entwurf von Claus Bury könnten zum Beispiel in den Stelen die Namen jener Städte samt Jahreszahl verewigt werden, die das Magdeburger Recht erhalten haben. Das wiederum werde das Interesse der Verweilenden wecken, ist sich Bernd Biedermann sicher.

Dass der Standort durchaus für Diskussionen sorgen könnte, ist dem Verein bewusst. Schließlich stand auf dem Platz einst die Ulrichskirche und das Kuratorium Ulrichskirche verfolgt das Vorhaben, deren unterirdische Gewölbe freizulegen (Seite 17). Doch nach Ansicht von Bernd Biedermann müssen diese Vorhaben nicht in Konkurrenz stehen. Vielleicht könnten gegebenenfalls sogar beide Ideen in Einklang gebracht werden. Die Stadtführer jedenfalls habe der Verein Denkmal Magdeburger Recht bereits auf seiner Seite, sagte Biedermann. Denn viele fußläufige Führungen würden am Ulrichplatz vorbeigehen so dass das Denkmal leicht einbezogen werden könnte.

Für den Verein gilt es nun, Spenden zu sammeln und die Gremien des Stadtrates von dem Vorhaben zu überzeugen. Etwa 80000Euro soll das Denkmal kosten, bis 2019 soll es stehen. Der Verein möchte Fördergeld ebenso akquirieren wie Spendengeld.

Die Hoffnung ist groß, dass die Bewerbung Magdeburgs um den Titel "Kulturhauptstadt" den Mitgliedern dabei in die Hände spielen wird. Schließlich werde das Magdeburger Recht in der Bewerbung eine Rolle spielen, bestätigt Stadtpressesprecherin Kerstin Kinszorra. "Wir sind sicher, dass wir damit ein Alleinstellungsmerkmal von europäischer Dimension aufgreifen, das auch im Kontext der Zukunft der Städte Europas von aktueller Bedeutung ist", antwortet Kinszorra. Positiv hervorzuheben sei das bürgerschaftliche Engagement, einen Verein zu gründen, einen Wettbewerb auszuloben und damit das Magdeburger Recht für die Bürger in einer fasslichen Form begreifbar zu machen.

Bleibt abzuwarten, ob das abgesteckte Ziel zu erreichen ist.