Fakten zur Ulrichskirche
Die Ulrichskirche ist im ersten Drittel des 11. Jahrhunderts entstanden. Neben ihrer bauhistorischen Bedeutung über Jahrhunderte, insbesondere nach der Reformation, hatte sie besonderen Stellenwert als "Unser Herrgotts Kanzlei", Entstehungsort der Magdeburger Centurien als bedeutendes Schriftwerk des Protestantismus; hier wirkte u. a. Nikolaus von Amsdorf, ein enger Vertrauter Martin Luthers.

Zerstörung im 20. Jahrhundert: Schwere Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg. Die Ruine wurde 1956 im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt trotz Bürgerprotesten gesprengt.

Debatte um Wiederaufbau: Am Reformationstag 2010 Bildung des Kuratoriums Wiederaufbau Ulrichskirche auf Initiative des Arztes Dr. Tobias Köppe. Ziel des Kuratoriums : Reanimierung als City-Kirche und öffentlicher Ort des Gedenkens ohne Verbrauch öffentlicher Mittel. Für den Wiederaufbau wollte das Kuratorium weltweit 30 Millionen Euro an Spenden sammeln.

Bürgerentscheid: 2011 wurde ein Bürgerentscheid ausgerufen. Ergebnis: Mehrheit gegen den Wiederaufbau

Neue Pläne zum Reformationsjubiläum: Nach dem Scheitern der angestrebten Suchschachtungen für den Unterbau erneuter Anlauf. Pläne: Architekturwettbewerb noch 2015 durch das Kuratorium für Ulrichplatz, statt Wiederaufbau nun Freilegung der Gewölbe, Begehbarkeit und Ausstellungspavillon darüber auf dem westlichen Teil der Freifläche.

Magdeburg l Der avisierte studentische Architekturwettbewerb zu dem zentralen Platz in der Innenstadt richtet sich dezidiert auf die kriegszerstörte Ulrichskirche. Speziell geht es um den Unterbau der 1956 gesprengten Reste der Altstadtkirche. Bekanntlich seien unter der Grünfläche des Platzes die Kellergewölbe erhalten, sagte Uwe Thal, 1. stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums Ulrichskirche. Beabsichtigt ist nun, die Anlagen unter den einstigen Türmen auszugraben, zu restaurieren und begehbar zu machen. Über dem Gewölbe soll nach dem Willen des Kuratoriums ein Ausstellungspavillon errichtet werden.

Mit dem Projekt im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017 würde man sowohl christlichen Ambitionen als auch weltlichen Bestrebungen Rechnung tragen, erklärte Uwe Thal weiter.

Im unterirdischen Bereich ist seinen Angaben zufolge ein öffentlicher Raum der Stille konzipiert, im Pavillon darüber eine Gedenkausstellung zur Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg einschließlich der Sakralbauten.

Finanzierung des Wettbewerbs mit Sponsorenhilfe
Die St.-Ulrich-und-Levin-Kirche war nach St. Johannis die zweitälteste Pfarrkirche Magdeburgs. Da das Kuratorium Ulrichskirche nicht der Grundstückseigentümer des ehemaligen Standortes ist, bedarf es der Zustimmung des Stadtrates als Grundlage von Verwaltungsentscheidungen. Es seien deshalb bereits erste informelle Gespräche mit verschiedenen Ratsfraktionen geführt worden, man werde auch weiter auf die Verwaltung zugehen, hieß es. Verlaufe alles positiv, soll der mit Sponsorenhilfe finanzierte studentische Wettbewerb im Sommer dieses Jahres ausgeschrieben werden.

Das Vorhaben auf dem Ulrichplatz soll in der künftigen neuen Kuratoriumssatzung als wichtigste Zielstellung etabliert werden. Der Wiederaufbau sei zwar nicht vollständig von der Agenda gerückt, doch man müsse sich den Realitäten und den derzeit vorherrschenden Meinungen annähern, sagte Thal. Das Kuratorium trage auch damit dem Bürgerentscheid von 2011 Rechnung, in dem der Wiederaufbau abgelehnt worden war.

Bereits bei einem kürzlichen Treffen des Verbundes Zerstörte Kirchen e. V. in Magdeburg hatte der Vorsitzende des Kuratoriums Ulrichskirche, Dr. Tobias Köppe, auf die neuen Pläne verwiesen und Unterstützung der Stadtverwaltung eingefordert. Gerade in jüngster Zeit gebe es nicht nur in ostdeutschen Großstädten viele Initiativen, kriegszerstörte oder später gesprengte Kirchen wieder zu errichten. Köppe und Thal erklärten: "Mit großem Aufwand werden in Deutschland historische Gebäude und Anlagen saniert oder originalgetreu rekonstruiert. Inzwischen wird diese Form der Reanimation als wertvolles Element städtebaulicher Entwicklungen begriffen."

Beispielhaft verweisen sie auf den Leipziger Förderverein Johanniskirchturm e. V., welcher auf dem dortigen Johannisplatz Überreste der 1945 beschädigten Johanniskirche und ihres 1963 gesprengten Kirchturms sichtbar machen will. In einem ersten Schritt war kürzlich mit Hilfe eines großen deutschen Bauunternehmens im dortigen Umfeld die berühmte Bach-Gellert-Gruft freigelegt worden.

Kuratorium gehört zum Verbund Zerstörte Kirchen

Das Kuratorium Ulrichskirche ist seit 2012 Mitglied des seinerzeit gebildeten Verbundes Zerstörte Kirchen. Diesem gehören inzwischen die Fördervereine und Stiftungen "Sophienkirche/ Busmannkapelle" in Dresden, "Johanniskirche und Universitätskirche St. Pauli" in Leipzig, "Ulrichskirche" in Magdeburg, "Garnisonkirche" in Potsdam sowie eine Berliner Initiative "Zerstörte Innenstadtkirchen" an.

Es gibt viele gemeinsame Schnittstellen, man profitiere gegenseitig von den Erfahrungen, verwies Thal auf den Zweck des erwähnten Treffens Ende Januar in Magdeburg.

Das Kuratorium Ulrichskirche, das derzeit aus 190 Bürgern besteht, bedauert, dass in der Landeshauptstadt in Bezug auf die Ulrichskirche die Unterstützung ausbleibe.

Zumal hier christliche und geschichtliche Motivation gleichrangig die Fundamente des Bemühens um die Ulrichskirche seien, stellte Uwe Thal klar.

Die nunmehr geplanten Ausgrabungen auf dem Ulrichplatz würden im Zuge des großen Reformationsjubiläums sowohl ein historisches Schlaglicht auf eine für die Reformation bedeutsame Kirche werfen als auch als Sachzeuge für im Krieg zerstörte bzw. in den Jahren danach gesprengte Monumentalbauten dienen. Das Projekt wurde inzwischen als Vorhaben in die Veranstaltungen des Kirchentags in Magdeburg zum Reformationsjubiläum vom 25. bis 27. Mai 2017 eingebracht, erklärte Uwe Thal.

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