Magdeburg l Wer im Lorenzquartier eines der 18 Quadratmeter großen Apartments mieten möchte, zahlt dafür 295 Euro Warmmiete. Auf der Internetseite des Berliner Unternehmens Lorenzquartier GmbH gibt es dafür vorgedruckte Mietverträge, die sich jeder herunterladen kann. Zu den Apartments gehört eine kleine Kochzeile im Wohnbereich, ein kleines Bad und ein Flur.

Die Stadt Magdeburg mietet für die kommenden zehn Jahre in dem Quartier fünf zweigeschossige Häuser mit insgesamt 176 Zimmern. Bis zu 500 Flüchtlinge und Asylbewerber sollen laut Stadtratsbeschluss so in dem Komplex Platz finden. Allerdings zahlt die Stadt für die gleichen Zimmer, für die ein Student 295 Euro zahlen würde, 480 Euro, also knapp 200 Euro mehr. Laut nicht öffentlichen Beschlussunterlagen, die der Volksstimme aber vorliegen, rechnet die Stadt in den kommenden zehn Jahren mit Kosten in Höhe von 11,5 Millionen Euro.

Man dürfe hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, sagt Steffen Goldmann, Chef der Lorenzquartier GmbH, auf die Frage, warum die Stadt knapp 200 Euro mehr zahlen muss, als jeder andere Mieter. "Ein Student wohnt allein in dem Zimmer, die Asylbewerber mindestens zu zweit", sagt Goldmann. Auch der Abnutzungsgrad sei höher, als bei der Nutzung durch Studenten. Der mit der Stadt ausgehandelte Preis sei fair und keineswegs zu hoch.

Eine Einschätzung, die auch Sozialdezernentin Simone Borris teilt. "Wir können jetzt Luft holen. Die Häuser sind ein Glücksfall", sagte Borris. In den kommenden Tagen könnten die ersten Bewohner einziehen. "Der Standort ist zentral gelegen und gut an die Versorgungsstrukturen im Umfeld angebunden", so Borris weiter.

Man habe auch deshalb auf einen privaten Vermieter zurückgreifen müssen, weil etwa die stadteigene Wohnungsbaugenossenschaft (Wobau) gar nicht die Mittel habe, um so ein Projekt wie das Lorenzquartier zu realisieren. Laut Borris müsste Magdeburg dafür vier Millionen aufbringen. In die neuen Wohnungen an der Münchenhofstraße sollen vor allem Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan untergebracht werden. Ohne das neue Flüchtlingsheim müsste die Stadt auf Turnhallen und Zelte zurückgreifen.

Heftige Kritik hatte es im Stadtrat gegeben. Die Linken hatten die Berliner Investoren "Miethaie" genannt und dem Unternehmen vorgeworfen, die Notlage der Kommune bei der Unterbringung von Flüchtlingen schamlos auszunutzen. Am Ende passierte das Papier mit jedoch nur einer Gegenstimme in nicht öffentlicher Sitzung den Rat. Ein Antrag der Linken, den Mietvertrag auf fünf Jahre zu begrenzen, wurde abgelehnt.

Der Handlungsdruck für Magdeburg ist groß. In der Landeshauptstadt leben derzeit mehr als 1300 Asylsuchende und Geduldete. Um die 30 Personen kommen laut Sozialdezernat pro Woche hinzu. Wiederholt musste das Sozialdezernat bei der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Halberstadt um Aufschub bei der Zuweisung neuer Flüchtlinge bitten. Nun sieht Simone Borris erstmals Licht am Ende des Tunnels. "Wir werden die Unterbringung für dieses Jahr hinbekommen", sagte sie.

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