Magdeburg l Seine Wolfssichtung hat Mario Grünewald mehrere Wochen für sich behalten. In akribischer Arbeit hat er seine Beobachtungen und Spurensuche in einem 23 Seiten starken Bericht (liegt Volksstimme vor) mit Fotos und Kartenmaterial festgehalten.

"Ich habe Anfang Februar einen Wolf im Herrenkrug gesehen", sagt Grünewald. Berichte über zehn gerissene Schafe in der vergangenen Woche haben ihn nun doch dazu veranlasst, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. "Wir brauchen keine Panik, sondern vernünftiges Datenmaterial", sagt Grünewald.

Der erfahrene Jäger ist Mitglied in der Gesellschaft für Wildtiere und Jagdforschung, im Projekt "Nabu Wolfsbotschafter" und der Kreisjägerschaft Magdeburg. Sachsen-Anhalts Natur ist ihm bestens vertraut. Den Wolf hat er am 1. Februar in der Mittagszeit auf der Breitscheidstraße im Herrenkrug gesichtet. "80 Meter vor der Eisenbahnunterführung am Biederitzer Busch habe ich etwas zwischen den Bäumen laufen sehen", erinnert sich Grünewald. Es sei größer als ein Fuchs gewesen und habe graues Fell gehabt. "30 Meter vor mir hat das Tier die Straße gequert."

Ausgefressene Wildschweinkadaver im Herrenkrug

Noch am Tag und in den folgenden Wochen erkundete Grünewald das Gebiet großflächig. In der Höhe des Bahndamms entdeckte er auch Wolfsspuren im verharschten Schnee. "Von den Abdrücken im Schnee her waren es sogar zwei Tiere", so Grünewald. Neben der Bahnlinie und an mehreren anderen Stellen im Wald fand er Wildschweinkadaver.

In der Nähe der Sichtung an der Breitscheidstraße entdeckte er etwa einen ausgefressenen Kadaver eines 50-Kilo-Schweins. Das Einschussloch konnte man noch gut erkennen. "Wahrscheinlich Überreste einer großen Jagd im Biederitzer Busch Ende Januar. Auch bei einer mehrstündigen gemeinsamen Begehung mit der Volksstimme am vergangenen Sonnabend liegen im Wald an mehreren Stellen ausgefressene Wildschweinkadaver.

An den Elbwiesen waren vergangene Woche zehn totgebissene Schafe entdeckt worden. Die etwa ein Jahr alten Lämmer wiesen Bissspuren an der Kehle und am Kopf auf. Es sei nicht mit Sicherheit zu sagen, ob ein Wolf oder ein Hund hinter dem tödlichen Angriff stecke. "Dieses Gebiet ist für den Wolf ein Schlaraffenland. Schafe, die nicht richtig geschützt sind, und Wild, das angeschossen im Wald verendet", sagt Grünewald, der nun mehrmals in der Woche im Wald beim Herrenkrug unterwegs ist und hofft, den Wolf vor die Kamera zu bekommen.