Magdeburg l Strategien für den Tagestourismus in Sachsen-Anhalt sind Thema für ein gemeinsames Expertenforum von ADAC, Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Tourismusbranche Sachsen-Anhalt in Magdeburg gewesen: Irene Mihlan, Geschäftsführerin des Magdeburger Tourismusverbands Elbe-Börde-Heide resümiert: "Tagesreisen sind ein in vielerlei Hinsicht unterschätztes Phänomen. Dies ergab die Vorstellung von Ergebnissen einer Studie zum Tagestourismus in Sachsen-Anhalt während des 1. ADAC-Tagestourismusforums."

Rund 30 Tagesausflüge und 7 Tagesgeschäftsreisen unternimmt jeder Deutsche pro Jahr. Hieraus ergeben sich rund 3 Milliarden Tagesreisen. Im Mittel überwinden die Tagestouristen eine Entfernung von rund 72 Km, um ihr Tagesziel zu erreichen. Sie lassen sich ihren Ausflug auch etwas kosten. 23,80 Euro pro Kopf und Tag werden von den Tagesgästen in Sachsen-Anhalt ausgegeben. Hier ist noch Luft nach oben, denn im Bundesdurchschnitt sind dies sogar gut 28 Euro.

Karolina Shlyapin, Marketingleiterin bei der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH (MMKT), hat die Zahlen für Magdeburg: Rund acht Millionen Tagesausflügler kommen pro Jahr nach Magdeburg. Sie sorgen für Bruttoumsätze von 248 Millionen Euro. Die Hälfte davon fließt in die Kassen von Einzelhändlern, ein Drittel bleibt bei den Gastronomen, der Rest teilt sich auf Dienstleister, Freizeit- sowie Unterhaltungsangebote auf. Karolina Shlyapin sagt: "Zum Vergleich: 500 000 Übernachtungen wurden in Beherbungsbetrieben mit mindestens zehn Betten in einer Studie aus dem Jahr 2013 für ein Jahr registriert." Die Mehrtagestouristen gaben 80,8 Millionen Euro in Magdeburg aus.

Die Schlussfolgerungen aus diesen Zahlen: Zum einen habe sich die Zahl der Tagesbesucher in Magdeburg positiv entwickelt. "Ein solcher Andrang von Reisebussen auf dem Dom-platz wie jetzt wäre vor Jahren kaum denkbar gewesen", sagt Karolina Shlyapin. Zum anderen denken die Fachleute in der MMKT derzeit darüber nach, wie noch mehr Tagesgäste in die Ottostadt gelockt werden können. Eine der Ideen ist dabei, verstärkt Pakete und Angebote ohne Übernachtung zu schnüren, auf Fachmessen mit diesen auf Reiseanbieter im Umkreis von 150 Kilometern zuzugehen - einer typischen Entfernung für Tagesreisende, die mit dem Reisebus kommen - und eine Kampagne in den Herkunftsregionen potenzieller Tagestouristen zwischen Niedersachsen und Berlin, zwischen Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern aufzulegen. "Noch sind das Überlegungen, denn wir müssen die Partner aus der Wirtschaft, die vom Tagestourismus besonders profitieren, mit ins Boot holen", sagt Karolina Shlyapin im Gespräch mit der Volksstimme.

Irene Mihlan hat nicht allein die Stadt Magdeburg, sondern die gesamte Region im Blick - und sie sieht auch die Notwendigkeit, mehr Unternehmen zum Mitmachen zu bewegen. Sie nennt als Beispiel eines der erfolgreichsten Tourismusprogramme der Region. "Im Marketingpool für den Elberadweg sind zwar 208 Übernachtungsbetriebe, aber gerade einmal elf Gaststätten. Und klar ist ja, dass sich der Elberadeweg auch für Tagesausflüge eignet. Und gerade die Branchen, die von Tagesausflüglern profitieren können und das Geschäft mit diesen vielleicht auch ankurbeln könnten, bringen sich noch nicht so sehr mit Ideen und Engagement ein", erläutert die Geschäftsführerin des regionalen Tourismusverbands.

Dass bezüglich der Tagesbesucher noch viel zu tun ist, wurde während des Expertenforums deutlich. Mathias Feige, Geschäftsführer der dwif-Consulting, präsentierte in seinem Vortrag Ideen. So könnten Wetterdaten über eigene Websites kommuniziert werden, um spontane Ausflügler zu motivieren. Auch neue Bedürfnisse der Tagesgäste, wie beispielsweise Ladestationen für E-Bikes, müssen "auf den ersten Blick" auffindbar sein.

Dass auch im Bereich der Infrastruktur ständig Erneuerungen gefordert sind, zeigen zum Beispiel ADAC-zertifizierte radlerfreundliche Parkplätze. Ein solcher ist gerade am Wasserstraßenkreuz in Hohenwarthe entstanden. Auch das Informationskartenset des Magdeburger Tourismusverbandes Elbe-Börde-Heide sei ein gutes Beispiel.

Nicht zuletzt wurde gezeigt, dass auch die Gastronomie sich auf neue Bedürfnisse der Kunden einstellen muss. Waren es bislang nur Hotelzimmer, die via Buchungsplattform reserviert werden mussten, so sind es heute auch Tischreservierungen, die über soziale Netzwerke und übers Internet Bedeutung erlangen. Freies WLAN als Selbstverständlichkeit war in diesem Zusammenhang auch eine der Forderungen während des Forums.