Altstadt l Zwar laufen die Arbeiten rund um die Magdeburger Bahnhofsbrücken schon seit Monaten - dieser Tage geht es aber an die Grundlagen. Der Straßenverkehr ist in Richtung Stadtfeld auf eine Spur verengt. Bislang gab es hier eine von Autos mit nutzbare Spur, auf der auch die Straßenbahngleise der Magdeburger Verkehrsbetriebe verlaufen, und rechts davon eine schmale Fahrspur. Die rechte Spur steht derzeit nicht zur Verfügung.

Jörg Titel ist Geschäftsführer des Potsdamer Unternehmens VIC Planen und Beraten GmbH mit Niederlassung in Halle und erläutert die laufenden Arbeiten: "Bei den derzeit laufenden Arbeiten unter den Bahnbrücken handelt es sich um sogenannte Suchschachtungen, die Aufschluss über die Geometrie der Brückenfundamente und den vorhandenen Leitungsbestand geben sollen." Diese Informationen seien für die derzeit laufende Planung für die Bauausführung notwendig, um ein möglichst genaues Bild der realen Situation vor Ort zu bekommen und die im Rahmen der Entwurfsplanung getroffenen Annahmen abzusichern.

Erkundungsarbeiten sind abgeschlossen
Hintergrund: Die alten Bahnhofsbrücken sind vor mehr als 100 Jahren erbaut worden und haben unter anderem die schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg überstehen müssen. Sie müssen dringend erneuert werden, weshalb wiederum der Tunnel gebaut wird. In diesem sollen Autos rollen, während darüber und unter den Brücken der Platz für Straßenbahnen, Fußgänger und Radfahrer ist.

Wie Jörg Titel berichtet, sollen die laufenden Erkundungsarbeiten kurzfristig abgeschlossen werden. Die derzeitige einspurige Verkehrsführung in Richtung Westen bleibe jedoch bestehen, da ab der nächsten Woche Arbeiten zum Bau einer provisorischen Straßenentwässerung im Bereich des vorhandenen Bordes erfolgen sollen. "Diese Arbeiten dienen der Vorbereitung der neuen Verkehrsführung ab 8. Mai", berichtet Jörg Titel. Dann soll die Strecke für Autos zur Einbahnstraße gemacht werden - und zwar nicht den ursprünglichen Planungen entsprechend stadteinwärts, sondern doch stadtauswärts.

Mit der aktuellen Sperrung haben übrigens nicht allein die Autofahrer mit weniger Platz, auch die Fußgänger und Radfahrer bekommen jetzt schon einmal einen Vorgeschmack auf die Enge der kommenden Monate: Nur noch wenig Platz steht auch für sie zur Verfügung. Der Weg ist als Fußweg gekennzeichnet, der für Radfahrer freigegeben ist. Sprich: Fußgänger haben hier Vorrang, Radfahrer müssen langsam fahren. Stadteinwärts ist in Höhe des Damaschkeplatzes derweil Absteigen angesagt.

Bereits in den vergangenen Monaten hatten die Städtischen Werke Magdeburg für das Tochterunternehmen Abwasserentsorgung Magdeburg in dem Bereich ein neues Entwässerungssystem bauen lassen, das künftig auch die alte Kanalisation in Teilen von Stadtfeld versetzen soll und auch Überschwemmungen am Kölner Platz, wie sie in der Vergangenheit nach Starkregen vorgekommen sind, verhindern soll.

Dazu gehörten auch die Arbeiten am Willy-Brandt-Platz samt Um- und Zurückverlegung des Taxistands, die Ende Juni abgeschlossen sein sollen. Das Pumpwerk an der Ringauffahrt und die Restarbeiten hinter der alten Feuerwehr sind bis Ende August abgeschlossen. Gearbeitet wird ebenfalls an einer neuen MVB-Haltestelleninsel an der Kreuzung Otto-von-Guericke-Straße/Ernst-Reuter-Allee, die perspektivisch die Haltestelle an der Brandenburger Straße ersetzen soll.

Bauprojekt soll im Jahr 2019 abgeschlossen sein
Nach derzeitigem Stand sollen die Arbeiten am Tunnel bis ins Jahr 2019 hineinreichen. Überschattet wird das Projekt von deutlichen Mehrkosten, die den Stadthaushalt belasten werden: In einem Interview mit der Volksstimme hatte der damalige Baubeigeordnete die Gesamtkosten laut Vorausberechnung auf 36,74 Millionen Euro beziffert. Einige Zeit später, im Jahr 2006, war man schon bei 58 Millionen Euro - der städtische Anteil wurde auf 28 Millionen Euro geschätzt. Damals war die Stadt davon ausgegangen, dass das Land einen großen Anteil finanziert. Davon hat sich die Landesverwaltung verabschiedet und will nur noch Pauschalbeträge für die Kommunen vergeben. Sprich: Magdeburg muss überlegen, wohin die Summe fließen soll. Heiße Kandidaten sind Brücken über Alte und Zollelbe im Bereich des Strombrückenzugs. Das Tunnelprojekt wird derzeit auf mindestens 90 Millionen Euro geschätzt.

Aufgrund der hohen Kosten und von Zweifeln an der technologischen Machbarkeit des Vorhabens sowie am Nutzen für den Verkehr - die Fahrzeuge dürften sich künftig an der Kreuzung mit der Otto-von-Guericke-Straße bis in den Tunnel hinein stauen - waren Kritiker des Projektes gegen die Planungen vorgegangen, hatten letztlich vor Gericht aber keinen Erfolg erzielt.

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