Mit 84 bunten Luftballons und einem Schwarm flatternder Tauben feierten die Regenbogenschüler gestern das 20-jährige Bestehen ihrer Einrichtung. In einem Programm zeigten die Schüler mit viel Freude, wie sie ihre Schulzeit genießen.

Neu-Olvenstedt. Punkt zehn Uhr stehen die Mädchen und Jungen an den Türen ihres Schulgebäudes und warten aufgeregt darauf, dass es endlich losgeht. Die grauen Wolken haben sich bereits verzogen, die Sonne strahlt vom blauen Himmel herab. So wird es allerdings nichts mit einem echten Regenbogen.

Doch dafür sorgen die Musikboxen, aus denen die Ukuleleversion von "Somewhere over the Rainbow" über den Schulhof klingt, und die Schüler einfach selbst. Denn jedes Kind und jeder Jugendliche hat einen bunten Luftballon in der Hand, die zusammen genommen einen farbenfrohen Regenbogen bilden.

Dann endlich gibt Schulleiterin Sylvia Sonnenberger das Signal: "Jetzt geht\'s los". Auf einem kleinen Spielfeld versammeln sich alle Schüler der Förderschule für Geistigbehinderte und lassen aufs Stichwort ihre regenbogenbunten Ballons in den Himmel steigen. Daran hängen ihre kleinen und großen Wünsche für die Zukunft.

Keine Rampe für Rollis

Die Vergangenheit lebt im Anschluss wieder auf. Julia Geistlinger übernahm erst vor wenigen Wochen zum Schuljahresanfang die dritte Klasse in der Regenbogenschule und lässt sich deshalb von den Kindern und ihren Kolleginnen, die teilweise seit 20 Jahren dort unterrichten, erzählen, was in ihrer neuen Schule bisher passiert ist. So mussten in den Anfangstagen die Rollstühle die Eingangstreppe hochgetragen werden, weil es noch keine Rampe oder gar einen Aufzug gab. Erst nach und nach erhielt die Schule diese wichtige Ausstattung.

"Doch wir haben immer noch Wünsche, der dringlichste ist eine Hebebühne für den Wickeltisch", sagt Sylvia Sonnenberger. Wie in den bisherigen zwanzig Jahren werden die vielen Spender und Unterstützer der Einrichtung ihr und den Kindern sicher auch noch diesen Wunsch erfüllen.

Begonnen hatte die Geschichte der Schule 1991, als die Olvenstedter Außenstelle der heutigen Schule "Am Wasserfall" zu klein geworden war. Mit der Übernahme des verlassenen Kindergartens in der Hans-Grade-Straße entstand die Regenbogenschule als eigenständige, kommunale Einrichtung. Manfred Pilz wurde Schulleiter und blieb es 16 Jahre lang.

"Es waren damals bestialische Zustände", erinnert er sich. "Die Keller waren zum Beispiel total vermüllt. Aber über die Jahre haben wir alle zusammen, die Kollegen und die Schüler, etwas wirklich Tolles aufgebaut", erzählt er. "Auch wenn ich mein Rentnerdasein genieße, es war wirklich eine wunderschöne Zeit hier an der Regenbogenschule - und das ist nicht übertrieben", gibt Manfred Pilz freimütig zu. Für ihn galt es gestern viele Hände zu schütteln.

Das Leben lernen

Denn dass auch die Schüler die Zeit genossen haben, konnte man z.B. an Anja Pätsch sehen. Sie besucht zwar seit 1997 nicht mehr die Schule, kommt aber zu besonderen Anlässen immer wieder mit ihrer Mutter Hannelore zu Besuch und freut sich dann, ehemalige Lehrer wiederzusehen. Sie war 1991 eine Schülerin der ersten Stunde und sagt ebenfalls: "Es war eine schöne Zeit."

Anlässlich des Jubiläums hatten die jetzigen Schüler ein Programm auf die Beine gestellt, bei dem sie zeigen konnten, dass nicht nur gerechnet und geschrieben, sondern auch ganz viel gesungen, getanzt und gelacht wird. Denn die Kinder und Jugendlichen der Unter-, Mittel-, Ober- und Werkstufe "lernen bei uns das Leben", wie Sylvia Sonnenberger das Schulkonzept zusammenfasst.

Und als die Oberstufenschüler schließlich "Wenn du Lust hast, rufe: ¿Mir geht\'s gut\'" singen, stimmen alle anderen Regenbogenkinder mit ein und rufen laut, was auch jeder weiß, wenn er in die fröhlichen Gesichter blickt: "Uns geht\'s gut!"

 

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