Die "Aerosol-Arena" öffnet am Wochenende für alle Interessierten ihre Tore. Die Industriebrache soll ab Herbst ein Freiluft-Atelier für Straßenkünstler aus ganz Deutschland werden.

Rothensee l Über 150000 Euro mussten Stadt und kommunale Unternehmen im vergangenen Jahr für die Beseitigung von Graffiti ausgeben. So lautete vor Kurzem die Schlagzeile in der Volksstimme. Einige Tage später wurde hingegen die "Aerosol-Arena" in Rothensee als künftiges Sprayerparadies vorgestellt.

Keine Frage, die Meinungen über Graffitikunst gehen weit auseinander. Während die schnell an Häuserwände oder Straßenbahnscheiben gesprühten Kürzel keinen künstlerischen Anspruch haben und von Eigentümern und Passanten als Schmierereien wahrgenommen werden, zeigen die Könner an der Dose an vielen Orten in der Stadt völlig legal was sie drauf haben. Nur sind die verfügbaren Flächen offenbar nicht genug für die Graffitigemeinde.

Das Rothenseer Freiluft-Atelier am Klosterkamp 4 will dem entgegenwirken und allen Straßenkünstlern mit ernsthaften Ambitionen viel Zeit und vor allem Raum geben, um sich zu entfalten. Noch steht die offizielle Betriebserlaubnis aus, erst im Herbst soll der Regelbetrieb losgehen. Hohe Fabrikwände oder Eisenbahnwaggons stehen dann Künstlern aus ganz Deutschland als Leinwände zur Verfügung. Um allen Interessierten, aber auch Skeptikern schon einmal einen Eindruck zu vermitteln, was man auf dem Gelände der ehemaligen Brötchen- und Nudelfabrik vorhat, lädt der Trägerverein am kommenden Wochenende zur "Offenen Arena" ein. Denn Sorgen um illegale Auswüchse jenseits des Geländes gibt es wohl unter den Nachbarn. Die "Broken Windows"-Theorie geht z.B. davon aus: "Ist eine Wand erst zum Besprühen freigegeben, werden auch die im Umfeld in Mitleidenschaft gezogen."

"Eine unserer Missionen ist aber die Etablierung von Graffiti, Streetart und seinen Künstlern, deshalb werden wir die Gelegenheit beim Schopfe packen und ein wenig Klartext reden", erklärt Daniela Kreissl. Die Entkriminalisierung der Sprayer ist ein Hauptanliegen des Vereins.

Freitag und Sonnabend stehen die Geländetore von 10 bis 18 Uhr offen, angesehene Szenekünstler wie der Dortmunder Mark Gmehling zeigen ihr Können. Dabei lohnt sich der mehrmalige Besuch. Viele der großflächigen Werke verschwinden nämlich bald wieder unter einem neuen Bild.