Halberstadt l In Sachsen-Anhalt müssen Asylbewerber in einer Turnhalle schlafen, weil es für sie keine andere Unterbringungsmöglichkeit gibt. Die zentrale Anlaufstelle des Landes in Halberstadt reagiert auf diese Weise auf den seit Monaten anhaltenden starken Zustrom von Bürgerkriegsflüchtlingen und Asylbewerbern.

Aktuell 695Frauen, Kinder und Männer warten in der Vorharzstadt darauf, dass ihr Asylantrag positiv beschieden wird. Im Durchschnitt des Jahres 2011, so informiert Rolf Harder als Chef der Landeseinrichtung, seien 400Personen betreut worden. Bereits im Vorjahr sei die Zahl der Asylbewerber mit insgesamt 2682 deutlich angestiegen.

25 Betten seien in der Turnhalle aufgestellt, an einem Wochenende hätten dort auch mal doppelt so viele gestanden, räumt der Behördenleiter ein. Man habe daher den "dringenden Wunsch geäußert", so Matthias Sens zur Volksstimme, dies möge "nur eine kurzfristige Notlösung sein".

Sens ist der Vorsitzende des Runden Tisches gegen Ausländerfeindlichkeit in Sachsen-Anhalt, der am Donnerstag die Zentrale Asylbewerber-Anlaufstelle besucht hat. Anlass zur grundsätzlichen Kritik an der Arbeit des Landes und ihrer Behörde in Halberstadt sieht er nicht. Allerdings muss er beklagen, dass die Erzieherstelle zur Betreuung der Kinder der Asylbewerber seit Monaten nicht besetzt ist.

Christa Dieckmann, zuständige Referatsleiterin im Innenministerium, verspricht Abhilfe. Noch im Dezember werde diese Personalie geklärt. Im Auswahlverfahren habe es "einige technische Schwierigkeiten" gegeben, blickt Dieckmann zurück.

Die Verantwortliche sichert auch beim Thema Schlafen in der Turnhalle eine schnelle Lösung zu. Erste Vorbereitungen seien bereits getroffen, mit Wohncontainern auf die deutliche stärkere Belegung in der Anlaufstelle zu reagieren.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, der Andrang von Asylbewerbern ist ja bereits seit Monaten zu erkennen." Bis zu 1,5 Millionen Euro will das Land in die Sanierung jenes Wohngebäudes investieren, das vor Jahren stillgelegt wurde, weil weniger Personen in Halberstadt unterzubringen waren. Voraussichtlich bis Mitte kommenden Jahres sollen zwei Etagen so ausgebaut sein, dass dort bis zu 200 Frauen, Männer und Kinder wohnen können. Diese Zahl, so Harder, entspreche der aktuellen Überbelegung. Möglich sei zudem, anschließend dort zwei weitere Etagen zu sanieren, dafür gäbe es aktuell aber noch keine Pläne, so der Behördenleiter.

Derzeit sind es vor allem Syrer, Tschetschenen und Bewohner des früheren Jugoslawien, die in Halberstadt ihren Asylantrag stellen. Durchschnittlich bleiben sie dafür drei bis sechs Wochen in der zentralen Anlaufstelle des Landes. Eine Vertreterin des Halberstädter Vereins "Zora", der sich stark für Begegnungen von Deutschen und Asylbewerbern engagiert, berichtet jedoch von Fällen, in denen einzelne mehr als ein Jahr lang in Halberstadt ausharren mussten.

Von dort werden die Asylantragsteller auf die Kreise und Großstädte im Land nach einem festen Schlüssel verteilt. Dies geschehe, so betont Referatsleiterin Christa Dieckmann, völlig ohne Probleme.

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