Magdeburg l Dutzende kleine Grundschulen stehen in diesem Sommer vor dem Aus, weil sie die neuen Mindestschülerzahlen nicht erreichen. Ins nächste Schuljahr dürfen nur solche Schulen starten, die mindestens 60 Schüler haben, in dünn besiedelten Gegenden 52 Schüler. So sieht es eine Verordnung von Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) aus dem Mai 2013 vor. Jetzt soll noch eine zusätzliche Hürde kommen: Anfangsklassen müssen demnach mindestens 15 Schüler haben, in dünn besiedelten Gegenden 13.

Das Kultusministerium bestätigte diese Planung gegenüber der Volksstimme. "Eine solche Verordnung ist derzeit gerade in der Erarbeitung", sagte Sprecherin Karina Kunze. Bislang reichen für Grundschulen zehn Erstklässler aus, mit Sondergenehmigung sogar noch weniger.

Für Seehausen (Börde) würde die Verordnung das Aus bedeuten

Die neuen Regeln dürften das Aus für etliche Grundschulen bedeuten. Beispiel Seehausen (Börde): Das traditionsreiche Haus aus dem Jahr 1905 hat in den kommenden drei Schuljahren insgesamt zwar ausreichend Schüler. Für die erste Klasse liegen jedoch erst 13 Anmeldungen vor, erfuhr der konsternierte Stadtrat vor kurzem. Bliebe es dabei, müsste die Stadt Wanzleben als Betreiberin die Schule schon im Sommer schließen.

Bereits Dorgerlohs Verordnung vom vergangenen Jahr hat landesweit Grundschulen in Unruhe versetzt und Kommunalpolitiker empört. Im Burgenlandkreis protestierte der Kreistag mit einer einstimmigen Resolution und warnte vor einer Schließung fast sämtlicher Grundschulen auf dem Land. Der Minister hingegen will mit seinem Kurs Kosten senken. Kein anderes Bundesland habe so viele Mini-Schulen, sagt Dorgerloh, auf Dauer könne sich Sachsen-Anhalt das nicht leisten. Auch das pädagogische Angebot sei in größeren Einheiten besser.

Erreicht jede Schule die Vorgaben? Das Land legt sich nicht fest

Laut Kultusministerium unterschreiten 75 Grundschulen die ab dem Sommer geltende Untergrenze von 60 beziehungsweise 52 Schülern. Wie viele davon tatsächlich schließen müssen, ist noch offen. Manche Schule kann gerettet werden, wenn die Kommune ihr einen größeren Einzugsbereich bewilligt. Bis zum Monatsende müssen die Landkreise und kreisfreien Städte eine Schulentwicklungsplanung vorlegen. Anschließend kontrolliert das Landesschulamt, ob die Vorgaben eingehalten wurden.

Das Kultusministerium stellt sich offenbar auf einen längeren Prozess ein. Dorgerloh will sich nicht festlegen, ob sämtliche Grundschulen vom nächsten Schuljahr an tatsächlich die Mindestgröße erreichen. "Zu dieser Frage können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Antwort geben", sagt die Ministeriumssprecherin.