Magdeburg. Gabriele Bark ist derzeit leicht gestresst. Denn die Leiterin des Altmärkischen Museums in Stendal hat alle Hände voll zu tun. "Die Leihgaben der anderen Museen treffen ein und diverse Absprachen müssen getroffen werden", erzählt sie. Der Stress ist nachvollziehbar: Am 26. Januar ist das kleine Museum in der Altmark die wichtigste Einrichtung ihrer Art in Sachsen-Anhalt. Denn dann startet mit großem Medienaufgebot in Stendal ein Museumsprojekt, das es in dieser Dimension in Sachsen-Anhalt noch nicht gegeben hat.

Unter Federführung des Museumsverbandes und der Universität Magdeburg und unter Mitwirkung vieler anderen Verbände und Vereine sind seit 2011 18 Stadt- und Regionalmuseen damit beschäftigt, eine gemeinsame Ausstellung zum Ersten Weltkrieg vorzubereiten. Sie hat die regionalen Spuren des Weltereignisses im heutigen Sachsen-Anhalt zum Thema.

Wandteller, Paradedegen und Reservistenpfeife

150 Objekte und Dokumente zum Kriegsalltag wurden zusammengetragen und bilden den Kern der Ausstellung: Vom patriotischen Wandteller, Paradedegen, Reservistenpfeife, Pickelhaube bis hin zu einer strohbeklebten Glasflasche aus dem Gefangenenlager in Havelberg.

Nicht überall wird alles gezeigt, schon allein deshalb, weil dies die räumlichen Möglichkeiten vor allem der kleinen Museen sprengen würde. Gabriele Bark: "Zu den Exponaten in Stendal gehören zum Beispiel Medaillen, ein Degen, aber auch eine Beinprothese und Kriegsberichte verwundeter Soldaten." Auch Kinderzeichnungen aus der Kriegszeit sind zu sehen.

Zwei Vitrinen in einem Raum des Altmärkischen Museums bleiben vorerst leer. "Wir möchten, dass sich Menschen aus unserer Region melden, die vielleicht eigene Familienstücke haben, die sie uns für die Ausstellung zur Verfügung stellen", erklärt sie. Außerdem sei die Ausstellung in Stendal wie auch in anderen Städten mit Schulprojekten verbunden (siehe Beitrag unten). "Wir möchten in den nächsten Monaten mit Schulen ins Gespräch kommen und die Arbeiten der Schüler bis 2018 im Museum zeigen", erzählt die Leiterin. Ein Thema wäre zum Beispiel, nach Verwandten der Gefallenen zu suchen, die häufig in Kirchen oder auf Kriegerdenkmälern aufgeführt sind. "Da gibt es bestimmt viele interessante Dinge zu berichten", glaubt Gabriele Bark.

Studenten und Schüler forschen gemeinsam

Diese Erfahrung hat auch das Institut für Geschichte der Magdeburger Universität gemacht. Studenten gingen in Vorbereitung der Ausstellung mit Schülern aus Magdeburg und Wernigerode monatelang auf Erkundungstour in regionalen Archiven.

Sie trugen Fotos und Dokumente zusammen und erstellten am Ende gemeinsam die Texte der Ausstellung. Im Kern geht es dabei um die Spannungsfelder Krieg und Familie, Jugendleben im Krieg, Krieg und Schule und der Krieg in privaten Zeugnissen der Familien. Recherchiert wurden aber auch Themen wie die Lebensmittelversorgung zur Kriegszeit in unserer Region, die Unterbringung von Kriegsgefangenen in Lagern und Verletzten in Lazaretten und auch welche Rolle die Kirche zur Kriegszeit gespielt hat.

Uwe Holz vom Landesmuseumsverband zeigt sich schon jetzt von der Ausstellungsarbeit begeistert. "Die Geschichte dieses Krieges ist heute sehr anonymisiert und kaum noch greifbar. Ich denke, es ist gelungen zu zeigen, welche Verheerungen dieser Krieg auch weit abseits der Front angerichtet hat."

 

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