Stichwort DAB

Digital Audio Broadcasting (DAB) nennt sich der digitaler Übertragungsstandard für den terrestrischen (durch die Luft übertragen) Empfang von Digitalradio. Das DAB-Radio wird europaweit in den nächsten Jahren den analogen Standard UKW ablösen. Einen UKW-Abschalttermin gibt es bislang aber nicht.

DAB-Radio ist störunanfälliger als UKW und es können in einer Region mehr Rundfunkprogramme übertragen werden. Insbesondere gilt das für bundesweit empfangbare Kanäle des Deutschlandfunk und von Privatsendern. Über DAB lassen sich auch digitale Zusatzdienste wie Verkehrs- und Programminformationen empfangen.

Zum Empfang von DAB-Radio ist ein dafür ausgestattetes Gerät notwendig. Neue Radios sind heute vielfach in der Lage, analog und digital zu empfangen - also UKW und DAB. Solche "Hybrid-Geräte" gibt es im Handel ab etwa 50 Euro.

Es ist sinnvoll, beim Kauf eines neuen Autoradios auf die DAB-Empfangsmöglichkeit Wert zu legen. Denn bundesweit hatte der Ausbau der Senderlogistik entlang der Autobahnen Priorität.

In Sachsen-Anhalt wurde DAB-Radio als Modellprojekt schon ab der Jahrtausendwende abgestrahlt. Mit deutlich erhöhter Empfangsleistung und verbessertem Standard (DAB plus) ging das Digitalradio am 1. August 2011 bundesweit auf Sendung.

Versorgungslücken gab es bislang im südlichen Magdeburg und der Börde. Dies soll sich ab dem 23. Januar mit der Inbetriebnahme der DAB-Abstrahlung über den Sender Schneidlingen (Salzlandkreis) ändern. Eine weitere Verbesserung ist ab Jahresende 2014 mit neuen, stärkeren Abstrahlungen vom Brocken und dem Sendemast in Lutherstadt Wittenberg geplant.

2015 ist die Inbetriebnahme eines neuen Senders in der Region Mansfelder Land geplant. In der Altmark wird sich der DAB-Empfang nach bisheriger Planung erst 2015/16 verbessern.

Magdeburg l Im August 2011 ging der Nachfolger des analogen UKW-Radios, das Digitalradio DAB, bundesweit auf Sendung. Doch versorgt wurden zunächst Ballungsräume und Autobahnen. 27 Sender auf Funktürmen und Gebäuden gab es beim Start 2011. Bis 2015/2016 soll dieses Netz nach Planung des Netzbetreibers Media Broadcast auf 110 Sendeanlagen anwachsen und für eine weitgehend flächendeckende Versorgung sorgen.

Auch im mittleren Sachsen-Anhalt wird sich der DAB-Empfang in wenigen Tagen verbessern. Wie Media Broadcast in dieser Woche informierte, wird ab dem 23. Januar DAB vom Funkturm Schneidlingen (Salzlandkreis) in maximaler Sendestärke von zehn Kilowatt (kW) abgestrahlt. Zwei weitere Sender im sächsischen Schöneck und im thüringischen Gera gehen am gleichen Tag ebenfalls in Betrieb.

Salzlandkreis, Magdeburg und die Börde profitieren

Vom neuen Sender Schneidlingen werden vor allem der Salzland- und Bördekreis und das südliche Stadtgebiet von Magdeburg profitieren. Ein Volksstimme-Empfangstest im September 2012 hatte in diesen Gebieten vielerorts nur eine Empfangsmöglichkeit außerhalb von Gebäuden gemessen. Grund: Die Empfangsabsicherung entlang der Autobahn A2 hatte für den Netzbetreiber zunächst Priorität, weshalb im mittleren Sachsen-Anhalt nur der Sendeturm Kapaunberg bei Burg Digitalradio abstrahlte. Mit der Inbetriebnahme von Schneidlingen sollte nun auch in Gebäuden problemlos Digitalradio zu empfangen sein.

Doch es gibt nicht nur gute Nachrichten für DAB-Freunde. Von Schneidlingen aus werden zunächst nur die öffentlich-rechtlichen und privaten Regionalprogramme aus Sachsen-Anhalt abgestrahlt, nicht die zwölf bundesweiten. Der Grund ist: Vermutlich ab dem Jahresende 2014 sollen vom Brocken über einen neuen DAB-Sender neben den regionalen auch die bundesweiten DAB-Sender weit ins Land senden. Die Experten rechnen damit, dass die Brocken-Antenne die Versorgung mit dem bundesweiten Programmpaket ausreichend abdeckt. Eine doppelte Abstrahlung über den Brocken und Schneidlingen wäre zwar schön, "würde aber zusätzliche Kosten verursachen", so ein Branchenexperte.

Der Direktor des Landesmedienanstalt von Sachsen-Anhalt, Martin Heine, setzt große Erwartungen in die neuen Sendeanlagen: "Knapp 290.000 Hörer werden zukünftig von Schneidlingen aus Digitalradio auch in Gebäuden empfangen können." Vom Brocken werde derzeit mit einer veralteten Anlage mit nur einem Kilowatt Sendeleistung gesendet. Heine: "Angedacht ist bislang eine moderne Zwei-kW-Anlage. Aber wir sind da noch in Gesprächen und hoffen, dass vom Brocken zukünftig mit einer Leistung von vier kW gesendet wird." Eine zu hohe Sendeleistung von der exponierten Brocken-Anlage aus würde wegen Frequenzüberlagerung DAB-Signale bis Hessen und Hamburg stören. Aber vier kW, hofft Heine, sollten machbar sein.

Am Sendestandort Lutherstadt Wittenberg wird bislang wie auf dem Brocken DAB noch mit einer veralteten Ein-kW-Anlage übertragen. Auch hier soll zum Jahresende eine Zehn-kW-Anlage auf Sendung gehen und die Digitalradio-Versorgung von Zerbst bis ins Jerichower Land verbessern - mit allen regionalen und bundesweiten Programmen.

Altmark bleibt das Sorgenkind

Das Sorgenkind des Digitalradios bleibt in Sachsen-Anhalt die Altmark. Ähnlich wie beim digitalen Antennenfernsehen DVB-T kommt der bevölkerungsarme Norden auch beim DAB-Radio erst zum Schluss dran. Martin Heine wirbt um Verständnis: "Der Netzbetreiber geht bundesweit nach der Maßgabe vor, dass die Standorte mit dem höchsten Versorgungsgrad zu bevorzugen sind. Und in der Altmark ist die Bevölkerungsdichte hierzulande am geringten." Nach der derzeitigen Planung wird 2015 zunächst die Region Südharz/Mansfelder Land mit einem zusätzlichen Sendeturm versorgt. Dann komme DAB gut empfangbar auch in die Altmark.

Im Programmpaket von DAB gibt es eine kleine Änderung. Ursprünglich war der Sender "90Elf" bundesweit als erster reiner Fußballsender gestartet. Doch daraus wurde nichts. Das Programm unterlag im Rechtepoker um die Bundesligarechte und wurde abgeschaltet.

Dies hat Folgen für Schlagerfans. Das Programm "Schlagerparadies" soll entweder bald im landesweiten Ensemble von Sachsen-Anhalt zu empfangen sein "oder es geht als neues Programm über die bundesweite Frequenz auf Sendung", erklärt Martin Heine. Am 21. Januar soll hierzu eine Entscheidung der Landesmedienanstalten fallen. Trotz der absehbar bald flächendeckenden Versorgung mit DAB-Digitalradio gibt es in Deutschland bislang noch keinen Termin für die Abschaltung des analogen UKW-Radios. Heine: "In anderen europäischen Ländern gibt es solche Termine. Aus meiner Sicht wäre eine bundesweite Abschaltung im Jahr 2020 eine realistische Festlegung."

Ein solcher Termin müsste aber verbindlich und bald beschlossen und mitgeteilt werden, damit sich Radiohörer rechzeitig darauf einstellen können. "Und es wäre auch im Sinne der Kostenersparnis der Rundfunkbetreiber, die ihre Programme derzeit zweigleisig produzieren müssen", beklagt der Direktor der Landesmedienanstalt.