Gardelegen l Leuchtende Kinderaugen im Asylbewerberheim. Es gibt Besuch und ein paar Geschenke. In Gardelegen haben Bürger und Politiker für ihre neuen Einwohner demonstriert. Es ist eine Reaktion auf eine Seite bei Facebook. Mehr als 1800 Menschen hatten "Nein zum Heim in Gardelegen" mit "Gefällt mir" markiert. Doch hinter dem virtuellen Protest stecken Rechtsextreme. Bundesweit versuchen sie gegen Asylbewerber zu mobilisieren.

"Sie nutzen Facebook für ihre schäbigen Zwecke", sagt Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. In seiner Stadt wollten sie dem Protest im Internet etwas entgegensetzen. Politiker, Gardeleger, Feuerwehrleute - viele Bürger wollten die Menschen kennenlernen.

"Meine Jungs würden gern Fußball spielen." - Khereddin aus Syrien

Und so ergaben sich Gespräche. Eine syrische Familie erzählte von ihren Erlebnissen im Bürgerkrieg. Ihr Haus lag zwischen den Fronten. Sie hatten Angst im eigenen Haus."Wir wussten nicht, ob das reguläre Truppen oder irgendwelche Milizen sind", sagte Mutter Amino. Und ihre Familie erlebte, wie grausam der Krieg ist. Vor ihrer Tür lagen abgeschnittene Köpfe von Bekannten. Die Familie floh. "Wir haben alles verloren", erzählt Vater Khereddin.

In Gardelegen fühlen sie sich sichtlich wohl. Bevor die Besucher kamen, spielten die beiden vor dem Haus Federball. Sie haben zwei Söhne Khalil (17 Jahre) und Gomrd (14). "Meine Jungs würden gern Fußball spielen", sagt Khereddin.

Über den Besuch freuen sich die Bewohner sichtlich. "Danke" war das häufigste Wort am Donnerstagnachmittag. Die Sprache ist für viele Asylbewerber ein Problem.

"Hier sprechen nicht viele Englisch." - Solviljan aus Albanien

Nur wenn das Asylgesuch anerkannt wird, gibt es Sprachkurse. Und das kann Monate dauern. "Hier sprechen nicht viele Englisch", sagt Soviljan aus Albanien. Solange müssen die Asylbewerber versuchen selber etwas Deutsch zu lernen oder sich mit Händen und Füßen verständigen.

Der Altmarkkreis Salzwedel reagiert. "Wir wollen mit Ehrenamtlichen einen Sprachkurs organisieren", sagt Dezernent Hans Thiele. Eine erste Freiwillige hat er am Donnerstag bereits gefunden: die Gardelegerin Christina Dietmann.

Sie findet es nicht gut, dass noch nicht alle Kinder zur Schule gehen dürfen. "Für vier Wochen bringt das nichts", erklärt Hans Thiele. Sonst freunden sie sich da mit den Kindern an und müssen sich bald wieder umgewöhnen. Denn in den nächsten Wochen stehen für die Familien Umzüge an. Sie werden in Wohnungen untergebracht.