Zankapfel Gustav-Adolf-Werk

Entzündet hat sich der innerkirchliche Streit am Gustav-Adolf-Werk. Der Verein mit Sitz in Leipzig wurde 1832 gegründet und unterstützt evangelische Minderheiten im Ausland. Der Name erinnert an den Schwedenkönig Gustav II. Adolf (1594 bis 1632), der im Dreißigjährigen Krieg die Protestanten in Deutschland verteidigte.
Auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gab es zwei eigenständige Gustav-Adolf-Werke: eines für Thüringen, eines für die Kirchenprovinz Sachsen. Strittig ist, ob die Landeskirche das Thüringer Werk gegen dessen Willen auflösen darf. (he)

Magdeburg l In der evangelischen Kirche schwelt ein Streit zwischen der Magdeburger Landesbischöfin und Pfarrern. Es geht ums Prinzip und um einen DDR-Vergleich.

Auslöser des Konflikts ist die verunglückte Fusion eines traditionsreichen evangelischen Vereins, des Gustav-Adolf-Werks (GAW). Als 2009 die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland entstand, sollten sich auch die beiden GAW-Ableger zusammenschließen - so wollte es jedenfalls die Kirchenleitung.

Thüringer Kirchen-Verband kämpft gegen Fusion

Aus Thüringen gibt es allerdings hartnäckigen Widerstand. "Wir haben eine 150-jährige Tradition, so etwas löst man nicht ohne Not auf", sagt Pfarrer Martin Michaelis, Vize-Vorsitzender des GAW Thüringen. In der bestehenden Struktur gebe es kurze Wege, dadurch könne der Verein effektiv mit Spendengeldern umgehen, begründet er seinen Kampf gegen die Fusion. Den Zugriff auf ein Konto hat er allerdings verloren, die Kirche hat es eingezogen. Durch die Querelen seien die Spenden bereits deutlich zurückgegangen, klagt Michaelis.

Seit einem Jahr liegt der Streit beim Verwaltungsgericht der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Kirchenleitung hat zudem Disziplinarverfahren gegen fünf widerspenstige Pfarrer und GAW-Ehrenamtliche eröffnet, darunter Michaelis. Der ist aber zugleich gewählter Interessenvertreter aller 1000 Pfarrer in der Landeskirche. Dieses Amt kann er wegen des laufenden Verfahrens nicht mehr ausüben. "Das ist ein Skandal, wie eine gewählte Pfarrvertretung lahmgelegt wird", schimpft Michaelis.

Konflikt schadet der Kirche in Mitteldeutschland

Die Kirchenleitung wiederum sieht sich durch Michaelis verunglimpft. Denn die Gustav-Adolf-Streiter werfen dem Landeskirchenrat "diktatorische Machtausübung" vor - das zielt auch auf die Magdeburger Landesbischöfin Ilse Junkermann, Vorsitzende des Gremiums. "Nicht einmal in der DDR-Zeit geschah ein solcher Vorgang", heißt es weiter in einem Protestschreiben.

Die Kirchenleitung begründet die Fusionspläne mit organisatorischen Vorteilen. Die Abstimmung der Arbeit werde leichter, sagt Oberkirchenrat Christian Fuhrmann. "Dass sich der ganze Streit so hinzieht, ist sehr ärgerlich, wir bedauern das." Über die Disziplinarverfahren solle aber erst dann entschieden werden, wenn das EKD-Verwaltungsgericht geurteilt habe.

Mittlerweile sorgt die Auseinandersetzung auch außerhalb der Landeskirche für Stirnrunzeln. Der Deutsche Pfarrerverband hat sich mit einem Schreiben an Bischöfin Junkermann eingeschaltet und gegen die "unerträgliche Eskalation" protestiert. Der Konflikt schade der Kirche - nicht nur in Mitteldeutschland, sondern insgesamt.

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