Magdeburg | Die Hinrunde des 1. FC Magdeburg endete 11:6. Die Elf steht für Begegnungen mit Störungen, die Sechs ohne. Vor allem das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion und bei den Derby-Märschen bereiten Sorge. Bei den Heimspielen gab es 2013 insgesamt 116 Ermittlungsverfahren. 17 Beamte wurden verletzt.

2013 (Saison 12/13 und 13/14)
Bei den 14 Ligaheimspielen im Jahr 2013 (plus DFB-Pokalmatch gegen Energie Cottbus, Landespokalfinale gegen Halberstadt und Auswärtsspiel in Halberstadt) gab es elfmal Ausschreitungen. Nur sechs Begegnungen blieben ohne Störung. Die Polizei leitete 116 Ermittlungsverfahren ein. 17 Beamte wurden verletzt. 19 bundesweite Stadionverbote sprach der Verein allein 2013 aus. Insgesamt haben bis heute 35 Magdeburger Fans ein bundesweites Stadionverbot. Als "Gewalttäter Sport" sind 160 Personen aus dem Umfeld des FCM registriert. In der bundesweit seit 1994 existierenden Datei sind Fans registriert, die wegen bestimmter Gewalttaten bei Sportveranstaltungen auffielen. Der Eintrag kann, muss aber nicht zum Stadionverbot führen. DFB und Vereine haben keinen Zugriff auf die Datei.

Pyrotechnik
Insbesondere beim Heimspiel gegen den 1. FC Lok Leipzig wurde eine hohe Zahl an Pyrotechnik abgebrannt. 158 Knallkörper zündeten die Fans beim Derbymarsch durch Magdeburg. Es handelte sich oft um sogenannte Polenböller mit besonders heftiger Wirkung. Kriminaldirektor Ralf Heidrich, zuständig für Fußballeinsätze in der Polizeidirektion Nord: "Wir stellen eine deutliche Zunahme fest." Das Verletzungsrisiko beim Abbrennen der Bengal-Fackeln ist enorm. In den etwa vier Minuten Brenndauer können die zwischen 1600 und 2500 Grad Celsius heißen Flammen nicht gelöscht werden. Das Problem beim Einschleusen: Eine umfassende Kontrolle, die das Durchreichen durch den Zaun verhindert, ist nach Ansicht der Polizei nicht möglich. Nur selten gibt es dabei Erfolge.

Die verschiedenen Gruppen
Zunächst unterscheidet die Polizei Fans in drei Kategorien: "A" steht für die friedlichen Besucher der Spiele, die überwiegende Mehrheit. Der B-Kategorie werden alle der Gewalt nicht abgeneigten Fans zugeordnet. In Magdeburg rechnet die Polizei etwa 300 bis 400 Personen dazu. Der C-Fan (etwa 40 bis 60) sucht die Gewalt. Beim 1. FCM fühlen sich die "Ultras" dem Verein besonders verbunden. Sie fallen im sogenannten "Block U", dem Block 4, durch besondere Choreografien auf.

"Ultras" im Stadion
Zu den "Ultras" zählen etwa 150 Fans und weitere 150 Sympathisanten. Unterschieden wird hier zwischen der "Blue Generation" und der "Next Generation" im Alter von 14 bis 40 Jahre. Es gibt hier aber nochmal zahlreiche Untergruppen in der Ultraszene zum Beispiel mit der Sektion Harz und Zerbst. Zu erkennen sind die "Ultras" im Stadion mit Zaunfahnen "für immer", "1. FC Magdeburg", "CES – Commando Eastside", "Sued" und "Unterschicht".

Die szenekundigen Beamten der Polizei sprechen von "vollständiger Verweigerung der Zusammenarbeit am Spieltag". Das Agieren der Sicherheitsbehörden werde oft abgelehnt, es komme häufiger zu Widerständen. Auch Straftaten gegen andere Fans, zum Beispiel Körperverletzungen, gibt es häufiger. Die Ultras pflegen eine enge Partnerschaft mit dem polnischen Oberligaverein KS Hutnik Krakow. Die polnischen Ultras haben zum Beispiel dazu aufgerufen, den FCM am 11. Mai 2014 in dem Risikospiel gegen Babelsberg zu "unterstützen". Die Spiele werden so bezeichnet, wenn aufgrund einer höheren Gefahrenlage mehr Polizisten eingesetzt werden.

Hooligans
Die Zahl der Hooligans ist mit 15 bis 20 Anhängern im Alter zwischen 34 bis 40 Jahre übersichtlich. Sie verabreden sich zu ihren "Begnungen" nur auf der grünen Wiese. Sie stammen teilweise aus der "Türsteher- bzw. Kampfsportszene". Manche haben gar keinen Fußballbezug und gehen nur zu Höhepunkten ins Stadion.

Althools
Sie halten sich im Block 11 in der Nähe des Gästeblocks auf, um diese zu provozieren oder sich mit ihnen zu schlagen. Die etwa 30 Personen sind zwischen 30 bis 53 Jahre alt.

Junghools
Etwa 30 Personen (20 bis 30 Jahre), die sich vereinzelt mit den Hooltras vermischen. Das sind gewaltbereite "Ultras" mit hooligantypischem Verhalten, die im Block 5 und 6 sitzen. Sie sind bekannt für Angriffe auf gegnerische Fans außerhalb und im Stadion, zum Beispiel Platzsturm. Die Junghools stehen oft in der ersten Reihe im Derbymarsch. "Sie zeigen sich uns gegenüber oft aggressiv", erklärt ein szenekundiger Beamter der Magdeburger Polizei.

Forderungen der Polizei
In der Hausordnung sollte eine konkrete Promillegrenze aufgenommen werden. Auch ein für die Ultras verbindlicher Verhaltenskodex in Form einer Wenn-Dann-Liste fordert die Polizei. Beispiel: Wenn Pyrotechnik im Stadion abgebrannt wird, dann sind Vergünstigungen wie ein frühzeitiges Betreten des Stadions für Choreografie-Vorbereitungen gestrichen. Zudem sollte das seit November vergangenen Jahres geltende Vermummungsverbot mit konkreten Konsequenzen hinterlegt sein.