Magdeburg l Für die meisten Menschen ist es ein untrügliches Signal für Frühstück oder eine gemütliche Pause: Kaffeeduft in der Luft. Für Kai Wächter war es Arbeit. Acht Stunden lang stand er bei Röstfein vor frisch abgepackten Kaffee-Pads und schnupperte nach undichten Stellen. Nicht sehr anspruchsvoll war der Job, resümiert Wächter, der Stundenlohn lag bei 5,62 Euro. Doch vor allem für Studenten aus China und Indien war er eine Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen.

Studentisches Jobben ist ein Massenphänomen. Jeder zweite Magdeburger Student arbeitet nebenbei, Halle liegt mit einer Erwerbstätigenquote von 47 Prozent knapp dahinter. Die Zahlen stammen aus der aktuellen Sozialerhebung, die das Deutsche Studentenwerk (DSW) alle drei Jahre veröffentlicht.

Deutschlandweit ist Arbeiten für Studenten die zweitwichtigste Einnahmequelle, gleich nach der Überweisung von den Eltern (siehe Grafik). Die Medizinstudentin Maria Buck etwa bekommt von ihren Eltern eigentlich ausreichend zum Leben. Dennoch kellnert sie zweimal wöchentlich im Magdeburger Café Central. "Natürlich freut man sich über ein Extrageld, mit dem man sich einen Wunsch erfüllen kann", sagt sie.

Jetzt, in den Semesterferien, wird sie nach Tel Aviv reisen - möglich wird die Reise durch den Tresen-Job. Fünf Euro bekommt sie je Stunde, dazu das Trinkgeld. Dafür steht sie im Lokal, bis die letzten Gäste gehen. Sie mag den Laden, in dem sie arbeitet. "Der ist total schön und gemütlich. Ich kannte den vom Tatort-Gucken und hab früher schon mal angefragt, ob eine Stelle frei ist."

Professoren ist Ausmaß der studentischen Arbeit nicht bewusst

Für andere Studenten bedeutet selbstverdientes Geld kein Zubrot. Sie zahlen davon die Miete, die Lebensmittel im WG-Kühlschrank, Kleidung und Bücher. Erwerbstätigkeit ist notwendig für den Lebensunterhalt - bundesweit geben 57 Prozent aller Studenten in der DSW-Befragung an, dass dieser Satz auf sie "zutrifft" oder "völlig zutrifft". Das Studentenwerk vermutet, dass vielen Professoren und Politikern das Ausmaß der Erwerbstätigkeit überhaupt nicht bewusst ist.

"Die hängen dem Bild des voll finanzierten Studenten nach, der keine familiären Verpflichtungen hat und sich ganz der Wissenschaft widmet", sagt Stefan Grob, Sprecher des Deutschen Studentenwerks (DSW) in Berlin. Von den Studienabbrechern begründet ein erheblicher Teil diesen Schritt mit der Doppelbelastung durch Hochschule und Arbeitsstelle.

Viele nutzen die Semesterferien, um Geld zu verdienen. Die Magdeburger Arbeitsagentur vermittelt vor allem Hilfsjobs in Büros, Supermärkten und Lagern, im Callcenter oder als Helfer beim Auf- und Abbau von Messen. Verbreitet ist ein Stundenlohn um 7 Euro. "Im Callcenter sind 7,50 Euro ortsüblich, es gibt auch Bürojobs für 8 Euro und mehr", sagt Agentur-Sprecherin Jana Echternach.

Vor allem Ausländer sind auf Jobs dringend angewiesen. "Und der Anteil ausländischer Studierender wird sich bis 2020 verdoppeln", sagt Katrin Behrens vom Studentenwerk Magdeburg. Viele davon stammen aus Nicht-EU-Ländern - und weil diese nicht aus EU-Programmen unterstützt werden, sind Studentenjobs dann dringend gesucht.

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