eDiese Rüstungskonzerne sind beteiligt

Hellenic Aerospace Industry (HAI): Hauptquartier Athen, produziert unter anderem Bauteile für das Kampfflugzeug F-16 und die Tarnkappen-Kampfdrohne "nEUROn".

MBDA: Raketenproduzent, Sitz in Paris. Weltweit führend im Markt für Lenkflugkörper, beispielsweise Panzerabwehrwaffen, Marschflugkörper und Flugabwehrraketen.

Partner der Konzerne sind sechs Forschungseinrichtungen, darunter die Otto-von-Guericke-Universität, sowie fünf Polizeibehörden wie das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt, die französische Gendarmerie und die spanische Guardia Civil.

Magdeburg l Mit dem Forschungsprojekt "Savelec" möchte die EU herausfinden, wie sich Fahrzeuge stoppen lassen, ohne Menschen zu gefährden. Eingesetzt werden Mikrowellen oder elektromagnetische Impulse. Die Technik lässt sich auch militärisch nutzen, mögliche Anwender sind laut Projekt-Website Polizei, Grenzschutz und Streitkräfte.

In Magdeburg bearbeiten zwei wissenschaftliche Mitarbeiter Teilbereiche des 4,2 Millionen Euro teuren Vorhabens. Sie prüfen, ob gezielte Attacken auf die Fahrzeugelektronik mit europäischem Recht vereinbar sind. "Dazu klären wir zum Beispiel, wie Fahrer reagieren, wenn plötzlich der Motor ausgeht", sagt Sven Kuhlmann, Mitarbeiter an der Fakultät für Informatik.

Test im Fahrsimulator

Zusammen mit einem Kollegen hat er dazu Dutzende Testpersonen an einen Fahrsimulator gesetzt. Sein vorläufiges Fazit: "Die Leute halten ganz normal an. Im Vergleich mit anderen Methoden ist das die sicherste." Verfolgungsjagden oder gar Schüsse auf die Reifen eines flüchtenden Fahrzeugs seien riskanter. Kuhlmann betont, es gehe nicht um die Entwicklung eines Produkts, sondern um Grundlagenforschung. Bis 2016 sollen Ergebnisse vorliegen.

Militärs haben nicht-tödliche Mikrowellenwaffen bereits getestet. Auch das Bundeskriminalamt hat sich bei der Waffenschmiede Diehl ein solches Gerät angesehen. Das Projekt "Savelec" soll die Technik für Polizeibehörden nutzbar machen.

Studentenvertreter besorgt um Einsatz

Interessiert ist etwa das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt, einer der Projekt-Partner. "Bei Geiselnahmen oder anderen herausragenden Einsätzen können wir uns vorstellen, so eine Technik einmal zu nutzen", sagt LKA-Sprecher Andreas von Koß. Wichtig sei, dass durch den elektronischen Angriff nicht auch Servolenkung und Bremskraftunterstützung ausfallen.

Studentenvertreter fürchten, dass die Technik an den EU-Außengrenzen gegen Flüchtlingsschiffe eingesetzt werde. "Deshalb muss sich eine Ethikkommission der Universität damit befassen", fordert ihr Sprecher Johannes Filter. Dass beim Projekt Savelec bereits ein Ethikrat eingesetzt sei, reiche nicht aus.