Aschersleben l Einmal im Jahr verlassen einige Pädophile eines bundesweiten Netzwerkes ihre virtuelle Welt, um sich in der Realität zu treffen. Das Ziel dieses Führungskreises war am Sonnabend die Stadt Aschersleben.

Bereits am frühen Morgen haben dort Polizisten verdeckt Stellung bezogen. Insgesamt sind rund 150 Einsatzkräfte an der Operation beteiligt.

Die Beamten der Polizeidirektion Nord beobachten die zehn Männer im Alter zwischen 22 und 60 Jahren sowie eine 57-jährige Frau auf Schritt und Tritt. Die mutmaßlichen Pädophilen, die in ihrer Internetgruppe sogar mit ihren Handlungen geprahlt haben sollen, sind aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Nur einer der Beteiligten, ein 54-Jähriger, kommt aus Aschersleben. Die anderen stammen aus Dresden, Berlin, Leipzig und Dortmund.

Immer wieder werden Kinder angesprochen

Für den ganzen Tag sind "Unternehmungen" geplant. Zunächst besuchen sie einen Kinderflohmarkt. Später, so gegen 11 Uhr, gehen die Verdächtigen in den Zoo. Sieben Stunden lang halten sie sich dort auf.

Die Männer sollen dort nach Aussagen der Ermittler immer wieder Kinder angesprochen haben. Ob dies zu "Übungszwecken" erfolgte oder einen anderen Hintergrund hatte, ist noch unklar. Nachweisbar strafbare Handlungen habe es in dieser Situation aber wohl keine gegeben, so die Ermittler.

Gegen 18 Uhr verlässt die Gruppe den Zoo und fährt zu einem geplanten Grillfest. Dort kommen sie aber nicht an. Im Stadtzentrum versperren mehrere Einsatzfahrzeuge der Landesbereitschaftspolizei der Kolonne den Weg. Es klicken die Handschellen. Neben der Frau und den zehn Männern soll auch ein Kind dabei gewesen sein. Es gehört zu einem der Verdächtigen. Das Jugendamt nahm es zwischenzeitlich in seine Obhut.

Nach den bisherigen Erkenntnissen sollen die eigenen Kinder dazu benutzt worden sein, um besser Kontakt zu möglichen späteren Opfern herstellen zu können.

Journalisten gaben den entscheidenden Tipp

Polizeisprecher Marc Becher: "Wir vermuten, dass sich bei den konspirativen Treffen vor allem ausgetauscht und auch strafbare Handlungen vorbereitet werden sollten. Die Gruppe agiert dabei äußerst diskret und vorsichtig."

Welche Straftaten genau zur Last gelegt werden können, müssten die weiteren Ermittlungen ergeben. Es gab bereits Hausdurchsuchungen, bei denen Datenträger sichergestellt worden sind. Diese werden nun ausgewertet. Haftbefehle wurden aber keine beantragt.

Den entscheidenden Tipp hatte die Staatsanwaltschaft von TV-Journalisten in der vergangenen Woche erhalten. Sie stießen bei verdeckten Recherchen auf das Netzwerk und erfuhren von dem Treffen. Danach wurde der Großeinsatz kurzfristig organisiert.