Magdeburg l Mit Gang und Dong ging es los, zwei angeblich chinesischen Reportern, die Hörsäle und Mensa-Küchen stürmten. Ihre schrägen Filmchen warben für das "Studieren in Fernost", auch Magdeburg wurde als exotischer und schriller Ort karikiert. Unter Professoren gab es hochgezogene Augenbrauen, in Neubrandenburg erteilte der Rektor den beiden sogar Campusverbot. Die Zahlen sind jedoch eindeutig: Seit Beginn der Kampagne sind massenhaft westdeutsche Abiturienten in ostdeutsche Hörsäle geströmt.

Nirgends ist der Zuwachs so groß wie in Sachsen-Anhalt. Der Anteil westdeutscher Studienanfänger hat sich mehr als verdoppelt. Unter den aktuell 8600 Erstsemestern haben 3100 ihr Abitur im Westen gemacht, das sind 36 Prozent. "Wir wissen natürlich nie, was davon der Kampagne `Studieren in Fernost` zuzurechnen ist, aber die Zahlen sind rasant nach oben gegangen", sagt Katharina Vorwerk, Sprecherin der Uni Magdeburg.

2009 begann die Kampagne mit Geld aus dem Bundeshaushalt. Sie sollte zwei Probleme mit einer Klappe schlagen: Im Westen fehlten Studienplätze, im schrumpfenden Osten hingegen Studierwillige. Die hyperaktiven Reporter Gang und Dong, ersonnen von der Werbeagentur Scholz Friends, sollten die Hochschulen zwischen Stralsund und Ilmenau in einem neuen Licht zeigen.

Deren Image war bis dahin verheerend. "Grau, Platte, kulturlos - das waren die Begriffe, die den Leuten zu Magdeburg eingefallen sind", erinnert sich Norbert Doktor, Sprecher der Hochschule Magdeburg-Stendal. "Diese Vorurteile findet man heute nur noch selten." Gang und Dong sind bereits eine Weile verschwunden, die Kampagne heißt mittlerweile "Mein Campus". Doch im kommenden Jahr ist Schluss, das vom Bund bezahlte Projekt läuft aus. Das gemeinsame Dach für alle 43 ostdeutschen Hochschulen ist dann Geschichte.

Landesmarketing soll den Fernost-Klamauk ablösen

Um West-Abiturienten will das Land aber auch künftig werben, kündigt Wissenschafts-Staatssekretär Marco Tullner (CDU) an. Er verstehe die kritische Frage, warum Sachsen-Anhalt eigentlich junge Bayern ausbilde, die dann womöglich in ihre Heimat zurückkehrten. Allerdings könne Sachsen-Anhalt seine schrumpfende Bevölkerung nur durch Zuzug stabilisieren. "Die Hochschulen sind da ein wichtiger Magnet, um Leute ins Land zu holen."

Das Land will seine Hochschulen deshalb unter einem Dach vermarkten, zusätzlich zu deren eigenen Aktivitäten. "Das wollen wir noch ausbauen", verspricht Tullner. Bereits jetzt gibt es die Website www.platzfuertalente.de. Klamauk ist da nicht zu sehen, das Foto eines rußgeschwärzten Teddybären nach einem offenbar missglückten Chemie-Experiment ist der einzige Hingucker.

An einem ist allerdings bislang jedes Marketing-Instrument gescheitert: Junge Menschen aus dem Süden Sachsen-Anhalts meiden Magdeburg wie eh und je. So gibt es unter den Studenten der Otto-von-Guericke-Universität zwar 1500 Niedersachsen. Hallenser hingegen sind rar - nur 140 haben den großen Schritt in die Landeshauptstadt gewagt.

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