Halle l Manchmal sagt ein Gesichtsausdruck mehr als jedes Statement. Zum Beispiel, als der Finanzminister am Montag wortlos aus dem Sitzungssaal stürmt. Auf die bereitstehenden Brötchen und Rohkostteller verzichtet Bullerjahn ebenso wie auf einen Kommentar für die Presse. Wenig später ist auch klar, warum: Der von ihm bestellte "Statusbericht" zu Sachsen-Anhalts Universitätskliniken entfaltet nicht die beabsichtigte Wirkung.

Das Papier bringt zwar die Mitarbeiter in Rage. Am Montagmorgen hatten 150 Ärzte, Pfleger und Verwaltungsangestellte Bullerjahn in der Uniklinik mit Protest-Plakaten und "Halle bleibt!"-Rufen begrüßt. Der Aufsichtsrat, der dann für zweieinhalb Stunden beriet, zeigte sich hingegen betont unaufgeregt.

Uniklinik Halle mit Defizit von 9,2 Millionen Euro

Teicherts Diagnose wird inhaltlich überhaupt nicht diskutiert. Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU), Vorsitzender des Aufsichtsrats, nennt das Papier kühl einen "Foliensatz". Der brauche noch eine "erklärende Unterlegung" und könne dann besprochen werden - bei der nächsten Sitzung im Juli.

Teicherts Warnung, die Uniklinik werde zum Jahresende ein Defizit von 15 Millionen Euro erreichen, ist damit erst einmal vom Tisch. Im Wirtschaftsplan, den der Klinik-Vorstand vorgelegt hat, ist von 9,2 Millionen Euro die Rede - auch das eine gewaltige Zahl, aber eben im Rahmen des Vorjahres. Und diese Summe ist es, die der Aufsichtsrat an diesem Morgen auch bestätigt. "Es hatte niemand bessere Zahlen", sagt Möllring im Anschluss an die Sitzung und macht damit deutlich, was er von Teicherts Berechnung hält.

Die Experten im Gremium fühlen sich hintergangen

Ein Signal für eine Fusion der beiden Universitätskliniken geht von dieser Sitzung jedenfalls nicht aus, im Gegenteil. Halle sucht derzeit nach einer neuen Pflegedirektorin für die zum Jahresende nach Aachen wechselnde Susann Krasemann. Der Aufsichtsrat stoppt die Ausschreibung nicht.

Höchst befremdet sind vor allem die externen Mitglieder des Aufsichtsrates, dass Teicherts Zahlen bereits in der Öffentlichkeit diskutiert werden, bevor sie diese selbst erhalten haben. Entstanden sind die Daten nämlich für die Prüfungs- und Finanzausschüsse der beiden Aufsichtsräte.

Doch schon vorab wurden am Dienstag der vergangenen Woche die Spitzen von Landesregierung und Koalitionsfraktionen eingeweiht. Hinter verschlossener Tür zeigen sich die externen Klinik-Aufseher ungehalten. Öffentlich formuliert es Josef Pfeilschifter diplomatisch. "Wir haben darauf hingewiesen, wie die Abläufe regelhaft sind", sagt der Medizin-Dekan der Uni Frankfurt.

Uniklinik Halle geht in die Werbeoffensive

Vor der Sitzung hatte Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD), drittes Kabinettsmitglied im Aufsichtsrat, seinem Parteifreund Bullerjahn noch Rückendeckung gegeben. Dessen Druck sei richtig, es müsse sich schnell etwas ändern. "Das kann auch bedeuten, dass man sich von bestimmten Dingen verabschieden muss."

Nach der Sitzung ist es hingegen Dekan Michael Gekle, der sich gestärkt fühlt. Das von der Klinik vorgelegte und bis 2025 reichende Entwicklungskonzept werde vom Aufsichtsrat geteilt, sagt Gekle. "Ich fand die Sitzung daher gut, sie war kritisch-konstruktiv."

Am Dienstagabend will die Klinik auch in der Politik für sich werben. Sie hat kurzfristig zu einem Parlamentarischen Abend geladen.