Magdeburg l Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wird auch weiterhin von dem Kirchenhistoriker Udo Sträter geführt. Der 62-Jährige erreichte bei der Wahl am Mittwochnachmittag im ersten Wahlgang knapp die notwendige Mehrheit. Von den 44 abgegebenen Stimmen im Senat der Hochschule entfielen 23 auf ihn, 19 auf die Japanologin Gesine Foljanty-Jost. Zwei Stimmen waren ungültig.

Die Wiederwahl hatte deutlich länger gedauert als geplant. Dreieinhalb Stunden rangen die Senatsmitglieder um die Frage, wer Sachsen-Anhalts größte Hochschule die nächsten vier Jahre leiten soll. "Es gab sehr viele Nachfragen", sagte Sträter anschließend sichtlich angespannt. Die kommenden Jahre würden "sicher nicht einfacher" als die zurückliegenden. "Es ist deshalb nicht schlecht, wenn von Seiten der Hochschule Kontinuität gewahrt wird."

Sein Führungsteam wollte Sträter noch nicht benennen. Sicher ist nur, dass seine Gegenkandidatin, die bisher als Prorektorin fungierte, nicht erneut auf ein Spitzenamt hoffen kann.

Die Uni Halle steht unter enormem Druck, ihre Ausgaben zu senken. Knapp 12 Millionen Euro muss sie bis 2020 einsparen. Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) hat dafür auch Vorschläge gemacht. Dazu gehört, die Medienwissenschaften zu schließen, ebenso die Psychologie und die Informatik.

Bis Ende September muss die Uni ein Hochschulentwicklungskonzept vorlegen. Das Papier soll beschreiben, mit welchen Kürzungen und Umstrukturierungen die Summe aufgebracht werden soll. Vorschläge dazu wollte Sträter allerdings auch nach seiner Wiederwahl nicht machen. "Wir sind in Verhandlungen und haben unterschiedliche Optionen", sagte er lediglich. Seine Gegenkandidatin Foljanty-Jost hatte bei einer hochschulöffentlichen Vorstellungsrunde am Montag laut Mitteldeutscher Zeitung vorgeschlagen, notfalls in Magdeburg nachzuverhandeln.

Diesem Vorschlag gibt Sträter keine Chance - sein Blick richtet sich nach Berlin. "Ich rechne damit, dass zusätzliches Geld kommt." Das Kooperationsverbot, das dem Bund eine Mitfinanzierung der Hochschulen verbietet, werde fallen. "Dann kann der Bund in die Grundfinanzierung einsteigen, zumindest für einzelne Projekte."

Die Zeit wird indes knapp. Der alte Senat, der zum Monatsende ausscheidet, werde zum Hochschulentwicklungskonzept keine Beschlüsse mehr fassen, sagte der wiedergewählte Rektor. Mitte September soll das neugewählte Gremium zu einer Sondersitzung zusammentreten.

Sträter ist seit 22 Jahren Professor für Kirchengeschichte. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.