Magdeburg l Wer in Magdeburg oder Halle ins Medizinstudium einsteigt, sich verpflichtet Allgemeinmediziner zu werden und später als Landarzt in Sachsen-Anhalt zu arbeiten, hat eine rosige Zukunft vor sich. Bislang winkte ein monatliches Stipendium, seit 1. Juli gibt es auch Zuschüsse beim Blockpraktikum und Praktischen Jahr.

Möglich macht dies ein neuer Strukturfonds von Kassenärztlicher Vereinigung des Landes und Krankenkassen, der mit 1,4 Millionen Euro ausgestattet ist. Kassenärzte-Chef Burkhard John, der das Förderpaket am Donnerstag in Magdeburg vorstellte, sprach von einem "Element zur Sicherung der Zukunft". Der Mangel an Allgemeinmedizinern im dünn besiedelten ländlichen Raum droht bis 2025 dramatische Züge anzunehmen. Schon jetzt sind 13 Prozent der praktizierenden Hausärzte zwischen 65 und 70 Jahre alt. In Sachsen-Anhalt versorgen laut Statistik 143,8 Vertragsärzte 100000 Menschen. Das ist der zweitletzte Platz in Deutschland.

Von den jährlich 400 Uni-Absolventen in Sachsen-Anhalt schlagen aber nur 10 Prozent den Berufsweg als Allgemeinmediziner ein. Vor zehn Jahren, sagt John, seien es noch doppelt so viele gewesen.

Im Einzelnen sieht die Förderung für künftige Allgemeinmediziner, mit der die Kassenärzte-Zunft vor 15 Jahren begonnen hat, nun so aus: Vom 3. bis zum 6. Studienjahr gibt ein es Monatsstipendium, dass bei 200 Euro beginnt und im letzten Studienjahr 700 Euro beträgt. Noch komfortabler haben es Studenten, die die seit Jahren bestehenden sogenannten Klassen Allgemeinmedizin an der Universität Halle durchlaufen. Sie erhalten die gesamte Studienzeit über 800 Euro im Monat. Bei einer anschließenden Praxiseröffnung gibt es bis zu 60000 Euro als Beigabe. Hinzu kommen für Hausärzte - sowie für Augenärzte und Dermatologen - Zuschüsse bei der Weiterbildung.

Der gesamtdeutsche Sachverständigenrat im Gesundheitswesen geht in seinem Jahresgutachten noch weiter: Er schlägt einen "Landarztzuschlag" von 50 Prozent in unterversorgten Gebieten vor. Allerdings ist bisher nicht klar, wer den bezahlen soll. Zu den Experten-Vorschlägen gehört auch der "Aufbau lokaler Gesundheitszentren zur Primär- und Langzeitversorgung". Burkhard John sieht darin eine Bestätigung von Filialpraxen, die die Kassenärztliche Vereinigung in Sachsen-Anhalt schon aufgebaut hat. Als Weiterentwicklung kann er sich "Landambulatorien" vorstellen, wie es sie in der DDR einmal gab.

Trotz aller Förderprogramme - der Erfolg der Hausärzte-Gewinnung ist begrenzt. Insgesamt 51 Stipendien konnten vergeben werden. Um die Lücken zu schließen, muss die Quote erhöht werden. Dazu wurden die Bedingungen modifiziert. Die dienstverpflichteten Jungmediziner müssen zwar aufs Land, können sich aber nun den Ort aussuchen. Sollten Absolventen trotz Abmachung aus Sachsen-Anhalt verschwinden, wird´s für sie teuer: Das Stipendium ist komplett zurückzuzahlen.

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