Blue White Street Elite in Fakten

Die Blue White Street Elite (BWSE) ist eine Hooligan-Gruppe aus dem Umfeld des 1. FC Magdeburg. 2005 fiel sie bei einem Fußballspiel das erste Mal auf.

Dennis Wesemann ist eines der Gründungsmitglieder der BWSE. Durch Überfälleauf Fans anderer Klubs, aber auch auf Linksalternative, machte die Gruppe von sich reden.

2008 verbot Sachsen-Anhalts Innenministerium die Gruppe. Daraufhin klagte sie und im Oktober 2010 wurde das Verbot vom Oberverwaltungsgericht gekippt. BWSE-Mitglieder gründen 2011 den FC Ostelbien Dornburg.

Möckern l "Hier brauchen Sie niemanden im Ort anzusprechen, es traut sich ja doch keiner, was zu sagen", sagt eine Frau in Stresow. Die Wesemanns hätten ihr zwar nie was getan, aber "aus dieser Sache wolle sie sich lieber raushalten". In Stresow wohnen 130 Menschen. Das Dorf gehört zu Möckern im Jerichower Land.

Bei dieser "Sache" geht es um Dennis Wesemann, den ehemaligen Anführer der gewalttätigen Hooligangruppierung "Blue White Street Elite". Trotz einer langen Liste von Ermittlungsverfahren in den letzten Jahren schafft es Wesemann bei der Kommunalwahl im Mai in den Ortschaftrat. Er bekommt immerhin fast 30 Prozent.

Doch er will noch mehr. Wesemann strebt das Amt des Ortsbürgermeisters an. Wer das wird, bestimmt der Ortschaftsrat. Bei der ersten Wahl am vorigen Mittwoch bekam niemand eine Mehrheit. Nun steht eine neue Wahlrunde an.

"Du bist nächstes Mal dran"


Einer, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, ist der bisherige Amtsinhaber Reiko Voigt. Er ist einer der beiden Gegenkandidaten. Am vergangenen Freitagabend erlebt Voigt eine für ihn beängstigende Szene. Wesemann und ein weiterer junger Mann verfolgen ihn mit dem Auto. An der roten Ampel steigt der Verfolger mit seinem Beifahrer aus. Voigt gibt Gas, flüchtet, wählt den Notruf der Polizei. Seine Verfolger überholen, bremsen ihn aus. Voigt kann gerade noch ausweichen. Im Rückspiegel sieht er dann aber das erlösende Blaulicht. Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch vom Revier Jerichower Land: "Wir ermitteln jetzt wegen Nötigung im Straßenverkehr."

Wesemann beantwortet bis heute keine Fragen. Vorige Woche, bei der Wahl, ist er als Einzelbewerber zum ersten Mal bei einer Ortschaftsratssitzung dabei. Kameras sind auf ihn gerichtet, Radio-Redakteure halten Mikrofone in seine Richtung. Das Interesse der Medien ist groß. Seines nicht allzu sehr. Still sitzt er in seiner Ecke.

Dann geht es bei der Ortschaftsratssitzung hoch her. Der Ratsälteste fragt wie üblich alle sechs Mitglieder ab, ob sie für die Wahl zum Ortsbürgermeister kandidieren wollen. Amtsinhaber Voigt sagt zunächst Nein. Dennis Wesemann sagt Ja. Auch Ratsmitglied Norbert Müller will. Nun schwenkt Voigt um. Mit Müller als seinem Nachfolger hätte er sicher noch leben können - aber nicht mit dem polizeibekannten Wesemann. Voigt sagt nun plötzlich doch Ja.

Zahlreiche Anzeigen gegen Wesemann


Wesemann und auch Müller ziehen daraufhin ihre Kandidatur aus taktischen Gründen wieder zurück. Beide dürfen damit rechnen, je drei Stimmen zu bekommen. Wäre dies der Fall, käme es zu einem Losverfahren - das wollen sie nicht. Also bleibt Voigt als einziger Bewerber im Spiel. Es wird gewählt - doch er bekommt keine Mehrheit. Die Wahl muss in den nächsten Wochen wiederholt werden. Wesemann ist sauer. Vor allem über Voigts Sinneswandel, doch anzutreten. Hörbar für alle droht er Voigt: "Du bist nächstes Mal dran!"

Voigt hat inzwischen Polizeischutz. Und Wesemann die Anzeige wegen Nötigung im Straßenverkehr. Bei weitem nicht sein erster Kontakt mit der Polizei. Die Liste der Anzeigen gegen den heute 27-Jährigen ist lang: Gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Hitlergruß. Seit 2005 soll Wesemann in mehr als 30 Ermittlungsverfahren eine Rolle gespielt haben. Zu einer Verurteilung kam es nie. Noch im Januar 2013 haben Mitglieder des Vereins "Miteinander" Wesemann auf einem Magdeburger Naziaufmarsch gesehen.

Wesemann hatte die Hooligangruppe Blue White Street Elite mit gegründet, die erstmals 2005 bei einem Fußballspiel des 1. FCM auffiel. Im April 2008 erließ das Innenministerium die Verbotsverfügung. Wesemann klagte dagegen mit Erfolg. Der frühere Innenstaatssekretär Rüdiger Erben (SPD) erinnert sich: "Im Hauptverfahren gab das Gericht uns erst Recht, dann aber kippte die nächste Instanz die Entscheidung."

Einige der Hooligan-Mitglieder von früher trifft Wesemann noch heute in seinem 2011 gegründeten Fußballverein FC Ostelbien Dornburg. Dort lobt man das Engagement der Fußballer. "Man muss doch sowas auch mal ruhen lassen und dem Jungen eine zweite Chance geben", reagiert Ralf Wesemann auf die Wahl seines Sohnes in den Ortschaftsrat. Zu Schulzeiten hätten Rechte ihn vor dem Schultor abgefangen.

Grundstücksverkäufe sorgen für Streit


"Da fing das an und als Eltern erfährt man es als Letztes", sucht der Vater nach einer Erklärung. Er sagt, er habe bei der Kommunalwahl nicht für seinen Sohn gestimmt. Er plädiert für eine Zwangsverwaltung von Stresow. Weil die Fronten so verhärtet seien. Der Grund: "Seitdem Dennis das alte Kita-Gebäude kaufen will, sind alle zerstritten." Selbst ehemals beste Freunde seien jetzt Feinde.

"Das Wahlergebnis ist eine Trotz-Reaktion", meint Marita Kuckuck. Sie ist die Tante von Dennis Wesemann, und sitzt auch im Ortschaftsrat. Bei der Landtagswahl 2011 ging in Stresow jede vierte von 64 Stimmen an die NPD. Auch damals ein Problem mit Grundstückskäufen. Kuckuck spricht von "Protestwahl".

Dennis\\\' Bruder konnte eines der letzten Stresower Grundstücke erwerben. Die beiden wollen eine eigene Firma gründen. Ein Internethandel mit selbst bedruckten T-Shirts. Noch bedrucken sie gemeinsam mit dem Vater Bekleidung - im alten Partykeller. Ein Motiv: "Dritte Halbzeit" - Zwei prügeln auf einen am Boden Liegenden ein.