Magdeburg/Stendal l Die gemeinsame Front der sieben Hochschulen im Land gegenüber den Sparauflagen bröckelt immer mehr. In den Fachhochschulen wächst die Sorge, die Universität Halle-Wittenberg könne eigene Lasten auf andere abwälzen. Die Rektorin der Fachhochschule Magdeburg-Stendal richtete am Mittwoch einen Appell in Richtung Süden. "Wir hoffen, dass die Uni Halle ihre Hausaufgaben macht", sagte Anne Lequy.

Durch die Rektorenwahl habe es in Halle "eine gewisse Passivität" gegeben, bedauerte sie. Jetzt müsse die Uni Studiengänge schließen, um ihre Sparverpflichtung zu erfüllen. "Wenn das nicht funktioniert, sollte das Land durchgreifen." Bereits vor vier Wochen hatte der Präsident der Landesrektorenkonferenz, Armin Willingmann, mit Blick auf Halle Reformbereitschaft angemahnt.

Die Hochschulchefs haben sehr konkrete Sorgen: Sie fürchten, auf sie selbst könnten noch höhere Sparquoten hinzukommen. So steht im Hochschulstrukturplan von Hartmut Möllring (CDU), dass Halle die Medienstudiengänge aufgeben soll - andernfalls müssten die anderen Hochschulen ihr eigenes Medien-Angebot kürzen.

Lequy empfahl ihre eigene Hochschule als Vorbild für die "großen Tanker", die beiden Universitäten im Land. Gerade habe sich der Senat vom wenig nachgefragten Studiengang Fachdolmetschen verabschiedet. Im Herbst wird er zum letzten Mal angeboten, danach läuft er aus.

Besser werden will die Fachhochschule vor allem durch die Kooperation mit der Uni Magdeburg. Geprüft wird derzeit die Fusion der Bibliotheken. "Dann sind wir größer, können besser mit Verlagen verhandeln und auch Doppel-Anschaffungen vermeiden." Auch der Hochschulsport könnte gemeinsam organisiert werden, auf lange Sicht kämen das Auslandsamt und das Rechenzentrum für Synergien in Frage.

Einer Fusion beider Hochschulen im Norden von Sachsen-Anhalt erteilte Lequy hingegen eine Absage. Die Fachhochschule erfülle durch ihren praxisorientierten Ansatz einen anderen Auftrag als die Uni mit ihrer Grundlagenforschung. "Wir sprechen auch Menschen an, die an einer Uni niemals studieren würden."

Als einen Erfolg ihrer ersten 100 Tage im Amt kündigte Lequy eine Stiftungsprofessur für betriebliche Gesundheitsförderung an. Ein Sponsor werde über fünf Jahre 1,75 Millionen Euro für die Professur und Mitarbeiterstellen zahlen. "Das ist ein Geschenk aus der Wirtschaft, wir können unseren Studierenden dadurch mehr bieten." Der Stifter ist eine Krankenkasse, deren Namen die Hochschule noch nicht bekanntgeben will. Gegenüber der Volksstimme spricht die Kasse vorsichtig von "weit gediehenen Gesprächen".

Die Hochschule Magdeburg-Stendal hat 6600 Studenten in 50 Studiengängen. Von ihrem Etat von 25 Millionen Euro muss sie 1,5 Millionen Euro einsparen.