Hohe Honorare allein sind keine Lösung
Das Gesundheitsforschungsinstitut Iges hat in einem Gutachten festgestellt, dass eine hohe Vergütung Ärzte nicht in dünn besiedelten Regionen lockt.

Zwischen 2009 und 2012 lagen die Umsätze von Hausärzten in Sachsen-Anhalt 17 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Dennoch herrschte Unterversorgung. Die Auslastung lag - gemessen an der Fallzahl pro Arzt - um mehr als 25 Prozent über dem Schnitt. Höhere Honorare seien kaum geeignet, "um die Attraktivität von strukturschwachen Regionen für niederlassungswillige Ärzte zu erhöhen", meinen die Gutachter. "Angesichts einer so hohen Kapazitätsauslastung der Praxen in Sachsen-Anhalt" warnen sie vor Qualitätseinbußen in der Versorgung.

Die Kassenärztliche Vereinigung stellt diese Ergebnisse jedoch in Frage. "Wir haben in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass mit finanziellen Anreizen schon Ärzte gefunden wurden, die bereit waren, verwaiste Praxen zu besetzen", sagte Vorsitzender Burkhard John.

Halle l Bundesweite Anerkennung für die Uni Halle: Als einziges Projekt in Sachsen-Anhalt darf sich die "Klasse Allgemeinmedizin" in diesem Jahr als "Ort im Land der Ideen" bezeichnen. Das Projekt der Medizinischen Fakultät ist eine von 100 Initiativen, die die Zukunftsperspektiven ländlicher Regionen in besonderer Weise stärken.

Seit dem Jahr 2011 werden Medizinstudenten in Halle spezifisch gefördert. Wer sich verpflichtet, Allgemeinmediziner zu werden und später als Landarzt in Sachsen-Anhalt zu arbeiten, erhält von der Kassenärztlichen Vereinigung ein Stipendium in Höhe von 800 Euro pro Monat. Die Studenten bekommen außerdem einen Landarzt als Mentor zur Seite gestellt. Auch auf einen hohen Praxisbezug und Patientenkontakt ab dem ersten Semester wird Wert gelegt. "Wir sind stolz auf diese Auszeichnung. Am Anfang stand eine Idee, nun leisten wir einen Beitrag zur hausärztlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt", sagt der Leiter der Sektion Allgemeinmedizin Andreas Klement.

Der Mangel an Hausärzten droht im Land dramatische Züge anzunehmen. 825 Stellen müssen bis zum Jahr 2025 besetzt werden. Von den jährlich 400 Uni-Absolventen in Sachsen-Anhalt wählen jedoch gerade einmal 10 Prozent den Weg als Allgemeinmediziner.

Die Kassenärztliche Vereinigung und Andreas Klement von der Medizinischen Fakultät prognostizieren einen Konzentrationsprozess im ländlichen Raum. Es werde weniger Standorte geben, sagt Klement. "Aber wir erwarten auch, dass neue Gesundheitszentren mit Ärzteteams entstehen. Der Hausarzt wird regelmäßig da sein, aber der Orthopäde oder Gynäkologe vielleicht nur noch einmal die Woche."