In Sachsen-Anhalt hat sich in den vergangenen Jahren eine Gründer-Szene entwickelt. Im Interview erklärt Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU), warum das Land junge Start-ups braucht.

Herr Möllring, kennen Sie die Start-up-Firma Motion Drive?
Hartmut Möllring: Nein, noch nicht. Aber das liegt wohl daran, dass die Firma offenbar keine Fördermittel in Anspruch genommen hat - was ja auch schön ist. Neu gegründete Firmen werden bei uns im Wirtschaftsministerium nur erfasst, wenn sie Mittel abrufen.

Wie hat sich die Szene aus Ihrer Sicht entwickelt?
Sehr gut. Allein aus den Hochschulen des Landes heraus haben haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als 1000 Gründungen mit gut 3000 Arbeitsplätzen ergeben. Das bedeutet, im Schnitt sind pro Firma mindestens drei Jobs entstanden. Die Bilanz kann sich sehen lassen.

Nun steht ja am Anfang nicht gleich fest, ob sich das Geschäft des neuen Unternehmens rentiert. Wie viele Neugründungen scheitern in der Regel?
Zur Überlebensquote von Start-ups gibt es keine Statistik für Sachsen-Anhalt. Das IfM Bonn hat aber ermittelt, dass deutschlandweit 36 Prozent der Firmen auch nach sieben Jahren noch am Markt sind. Bei Gründungen aus dem Wissenschaftsumfeld fallen die Quoten noch besser aus: hier sind es 54 Prozent, also gut jede zweite Firma. Besonders erfolgreich sind wissensintensive Start-ups im produzierenden Gewerbe, hier liegt die Überlebensquote sogar bei 61 Prozent. Diese Daten dürften in der Tendenz auch für Sachsen-Anhalt gelten.

Heutzutage trauen sich nur wenige junge Leute, ein Unternehmen zu gründen - viele wünschen sich lieber eine feste Anstellung.
Ach, ich denke, es gibt nach wie vor genug, die sich das trauen. Vom Hochschulabsolventen bis zum 40-jährigen Angestellten ist hierzulande alles dabei. Man sollte Gründern allerdings auch Mut zusprechen. Selbst wenn sie scheitern, sollten sie das nicht gleich als Schande auffassen. Wer hinfällt, kann wieder aufstehen - und auch ein Bill Gates ist anfangs nur belächelt worden.

In welchen Branchen kommen Firmengründungen besonders derzeit stark vor?

Vor allem in der IT- und in der Kreativbranche. Und egal, ob es um Software oder Industriedesign geht - häufig entstehen in den Start-ups hochwertige Arbeitsplätze. Die Firmen können daher gut ausgebildeten jungen Leuten eine Berufsperspektive bieten und sie im Land halten.

Welche Bedeutung kommt der Gründer-Szene in den kommenden Jahren zu?
Auf absehbare Zeit wird sich wohl kein Dax-Konzern in Sachsen-Anhalt ansiedeln. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich hier Unternehmen entwickeln, die das Land wirtschaftlich voranbringen. Und die Voraussetzungen hierfür sind ja da. Sachsen-Anhalt liegt im Herzen Europas und ist von der Infrastruktur her bestens angebunden.

Inwiefern unterstützt das Land Sachsen-Anhalt Firmengründer?
Wir sind derzeit dabei, die Förderprogramme zu überarbeiten. Zwischen 2014 und 2020 werden aber Firmengründern wieder Mittel aus dem Strukturfonds der Europäischen Union zur Verfügung stehen. Und auch die Investitionsbank Sachsen-Anhalt wird Existenzgründer weiterhin unterstützen.