Halle (dpa) l Blut abnehmen, wiegen und interviewen: Rund 10000 Menschen aus Halle und Umgebung werden anlässlich einer bundesweiten Langzeitstudie in den kommenden Jahren von Medizinern genau unter die Lupe genommen. Die Teilnehmer sollen helfen, Erkenntnisse über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Volkskrankheiten wie Diabetes oder Krebs zu gewinnen, sagte der stellvertretende Studienzentrumsleiter, Daniel Tiller, in Halle.

Neben der Saalestadt gebe es bundesweit 17 weitere Zentren, in denen gleichartige Untersuchungen vorgenommen würden, erklärte eine Sprecherin der Geschäftsstelle "Nationale Kohorte", die die Studie zentral in Heidelberg betreut. Durchgeführt wird die Studie von einem Forschungsnetzwerk aus Universitätsinstituten und Einrichtungen der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft.

Bis 2018 sollen insgesamt 200000 Menschen im Alter von 20 bis 69 Jahren untersucht werden. Die ersten Teilnehmer seien kürzlich mit Hilfe einer Stichprobe aus den Einwohnermelderegistern gefunden und angeschrieben worden, sagte Tiller. Die Ausgewählten müssten nun zwei Durchgänge in den Laboren der Studienzentren durchlaufen. Zunächst würden sie gewogen, gemessen und befragt. Zudem werde ihnen Blut, Urin und eine Stuhlprobe abgenommen. Auch Blutdruck, Lungenfunktion und Gefäße seien für die Fachleute wichtig. Ein Teil der Teilnehmer müsse zusätzlich noch einen Fitness- und Augentest sowie ein EKG und eine Herzultraschall-Untersuchung hinter sich bringen.

Bis 2018 soll der erste Durchlauf abgeschlossen sein, sagte Tiller. Dann werde das Prozedere wiederholt, um die Veränderungen bei den untersuchten Menschen ermitteln zu können.

Die Medizinwelt erhoffe sich Antworten auf die Fragen zu finden: Wie entstehen Krankheiten wie Diabetes und Krebs? Wie können die Erkrankungen frühzeitig erkannt werden? Welche Präventionen können durchgeführt werden?

In Deutschland sind nach Angaben der "Nationalen Kohorte" zwei Drittel aller Todesfälle auf Krebs, koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall oder Komplikationen im Zusammenhang mit Diabetes zurückzuführen. Zudem wachse in einer stetig alternden und teils ungesund lebenden Bevölkerung die Zahl von Kranken.

Nach 2022 könnten genauere Studienergebnisse vorgelegt werden.