Das "War starts here"-Camp in der Colbitz-Letzlinger-Heide

Was soll die Aktion?

Der Protest richtet sich das dritte Jahr in Folge vorrangig gegen den Bau der Übungsstadt Schnöggersburg im Gefechtsübungszentrum (GÜZ). Dort werden die Soldaten mit Lasertechnik den Einsatz in Städten trainieren. Insgesamt soll das Bauvorhaben 100 Millionen Euro kosten und 2017 fertig sein.

Wer steht dahinter?
Die meisten Teilnehmer sind friedlich. Sie kommen von der Bürgerinitiative Offene Heide und der Gruppe "Gewaltfreie Aktion GÜZ abschaffen". Das große Problem sind gewaltbereite Linksautonome, die sich unter die Protestler mischen und Straftaten begehen wollen. Der Brandanschlag auf die Bundeswehrkaserne 2013 wird im Zusammenhang mit der Antimilitarismus-Aktion gesehen. Eine Distanzierung erfolgte bisher nicht.

Letzlingen l Einige Ankündigungen der Pazifisten für ihre Aktion "War starts here" (Krieg beginnt hier) im Internet klingen alles andere als friedlich. Da heißt es: "Der Rahmen der Legalität ist für uns kein Orientierungspunkt für politisches Handeln. Wir schlagen da zu, wo wir beispielsweise zur ,direkten Abrüstung` beitragen und wo wir das System sabotieren können." Man wolle außerdem das "GÜZ scheppern lassen" und spricht von "Entern" und "Markieren".

Sicherheitsbehörden registrieren bereits seit gut einem halben Jahr Mobilisierungs-aktivitäten in der linksextremen Szene. Olaf Christmann, Abteilungsleiter für Extremismusabwehr beim Militärischen Abschirmdienst (MAD): "Die Rekrutierung für dieses Camp erfolgte in vielen Regionen der Bundesrepublik. Das GÜZ hat in der Szene Symbolcharakter. Es gibt zurzeit nichts Vergleichbares."

Wohl auch deshalb werden in diesem Jahr erstmalig Antimilitaristen aus Finnland, der Ukraine, Italien, Österreich und Ungarn erwartet. "Wir wissen aber nicht, in welchen Größenordnungen sie kommen. Ob die Busse klein oder groß sind wird sich zeigen", sagt der Gesamteinsatzleiter von der Polizeidirektion Nord Tom-Oliver Langhans. Zunächst gehe man am Hauptaktionstag am Sonnabend, dem 23. August, von bis zu 400 Teilnehmern aus.

Die Polizei wolle mit bis zu fünf Hundertschaften im Einsatz sein. Hinzu kommen etwa 400 Feldjäger, Soldaten und Wachleute, die auf dem etwa 230 Quadratkilometer großen Gelände für Sicherheit sorgen sollen. Oberst Gunter Schneider, Leiter des Gefechtsübungszentrums: "Wir rechnen auch in diesem Jahr mit Gruppen, die auf das Gelände eindringen wollen. Darauf sind wir vorbereitet."

Die Bundeswehr hat ihren militärischen Sicherheitsbereich in diesem Jahr erstmalig erweitert. Das Sperrgebiet befindet sich jetzt direkt zwischen den Bundesstraßen 189 und 71. Wer dieses illegal betritt, begeht zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Ab Sonnabend um 10 Uhr wird zudem die Heidestraße bis zum 25. August gesperrt. Nur der öffentliche Nahverkehr darf die Straße passieren. "Es wird verstärkt Kontrollen geben", so Langhans.

Allein die Einsatzkosten der Polizei beliefen sich im Jahr 2013 auf fast eine Million Euro. Etwa 50 Strafaten wurden während des Camps mit seinen 300 Teilnehmern registriert. Der Brandanschlag auf die Bundeswehrkaserne in Havelberg ist dabei nicht mit einberechnet. Der Fall ist noch unaufgeklärt. "Wir müssen noch einigen Spuren nachgehen", so Lars Fischer vom LKA.

Letzlingens Bürgermeisterin Regina Lessing: "Die Schäden vom letzten Jahr sind noch nicht richtig beseitigt. Sie können sich vorstellen, dass diese Berufsrevolutionäre hier nicht gerade willkommen sind."