Netzwerk von Wirtschaft bis Pflegeheim
Seit 2012 gibt es den Pflegestammtisch in Magdeburg. Heute gehören ihm mehr als ein Dutzend Sozial- und Wirtschaftsverbände, Pflegeeinrichtungen und weitere Unternehmen sowie Behörden wie die Arbeitsagentur und das Magdeburger Wirtschaftsföderungsdezernat an. Der Wirkungskreis erstreckt sich auf ganz Sachsen-Anhalt.
Ziel ist laut Initiatorin Carmen Niebergall, Landeschefin des Wirtschaftsverbandes BW, die Zukunft der Pflege zu sichern. Dazu gehört, dem Fachkräftemangel zu begegnen, indem Pflegeberufe attraktiver gemacht werden.
Kontakt über IWK Magdeburg, Tel. (03 91) 5329211, E-Mail: magdeburg@i-w-k.de

Magdeburg l Die Pflegebranche hat Imageprobleme und Nachwuchssorgen. Was ihr hingegen fehlt, ist eine Lobby, dies zu ändern. Der Magdeburger Pflegestammtisch versucht, in die Bresche zu springen (siehe Kasten). Mit achtbaren Ergebnissen: Der Einladung des Gremiums zu einem öffentlichen Forum am Mittwoch ins Magdeburger Rathaus folgen immerhin rund 70 Interessenten.

Auch, weil sich mit Burkhard Lischka (SPD) und Tino Sorge (CDU) gleich zwei Bundestagsabgeordnete der Debatte um die Pflegegesetze der Großen Koalition stellen. Lischka nannte sie eine "Grundrenovierung" der 1995 eingeführten Pflegeversicherung.

Das erste Gesetz wird zum 1. Januar 2015 in Kraft treten. Zu den zahlreichen darin festgelegten Verbesserungen zählen Lohnersatzleistungen für pflegende Angehörige - ähnlich dem Kinderkrankengeld - bis zur Erhöhung von Zuschüssen für den altersgerechten Wohnungsumbau von 2500 auf 4000 Euro.

Ein zweites Gesetz soll die Pflegebedürftigkeit neu definieren. Neben dem erforderlichen Hilfsbedarf bei Verrichtungen des täglichen Lebens wird die Selbständigkeit, inklusive Mobilität und sozialen Kontakten, künftig in die Bewertung der Pflegebedürftigkeit einfließen. "Einen Schritt nach vorn" sieht SPD-Parlamentarier Lischka darin vor allem für Demenzkranke.

Sein CDU-Kollege Sorge nennt die Zukunft der Pflege ein "Megathema". Was zusätzliche finanzielle Möglichkeiten betrifft, flüchtet er sich aber in den ewig gültigen Satz: "Geld allein löst das Problem nicht."

Anke Sterdt vom Magdeburger Institut für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege jedenfalls wäre froh, wenn in der Pflege eine ähnliche Kampagne zur Nachwuchsgewinnung wie das deutsche Handwerk auflegen könnte. Die Handwerker haben dafür ihre Kammer, die der Pflegebranche fehlt.

Ein heikles Thema, das ist auch Sorge und Lischka klar, ist die Ausbildung des dringend benötigten Pflegenachwuchses. Zur Debatte steht dabei eine Grundausbildung für alle Pflegeberufe, auf die eine Spezialisierung aufsatteln soll. Expertin Sterdt befürchtet, dass die Altenpflege in der Gunst der Schüler gegenüber dem Kinder- und Krankenbereich abfällt. "Das kann schnell nach hinten losgehen", befürchtet Sterdt und erntet Beifall.

Um die Ausbildung attraktiver zu machen, soll das teils übliche Schulgeld abgeschafft werden. Jürgen Banse vom Verband der Privatschulen dringt daher auf einen Ausgleich für die meist freien Ausbildungsträger. Da können die Parlamentarier momentan aber auch nicht weiterhelfen.